Hier eine kleine distopische Geschichte über Verlust, Vertrauen und Moral.
Ab achtzehn!
Ich hoffe es gefällt euch.
(Insperiert durch: "The Last Of Us, Part 2")
Das Ende der Welt
Drei Jahre waren vergangen. Drei Jahre seit dem Tag, an dem alles zusammengebrochen war. Anfangs klammerte sich die Menschheit noch an die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität. Europa hielt sich am längsten.
Im zweiten Jahr begannend die Plünderungen und Straßenschlachten, während im Nahen Osten vermehrt Bomben fielen.
Zu Beginn des dritten Jahres wurde den meisten klar: Das war das Ende.
Das Ende der Welt.
Keiner wusste genau, was den Untergang ausgelöst hatte. Man wusste nur, dass alles mit den Stimmen begann. Gesprochene und geflüsterte Worte, die aus dem Nichts zu kommen schienen. Sie trieben die Menschen in den Wahnsinn, hetzten sie gegeneinander auf und veführten selbst die Vernünftigen und Besonnenen zu Wutausbrüchen und Gewalttaten.
Drei Monate, nachdem ersten Berichte über Stimmen veröffentlicht wurden, versuchten Militär und Regierungen, sichere Zonen zu schaffen. Doch überall dort, wo viele Menschen zusammenkamen, traten sogenannten Anomalien auf – Orte, an denen die Stimmen immer mehr wurden..
Innerhalb eines halben Jahres hatte die Menschheit es geschafft sich selbst zur Hälfte auszulöschen; In den Städten war das Chaos am größten.
Ende des zweiten Jahres erkannte man schließlich, dass die Anomalien stets mit erhöhter Gamma-Strahlung einhergingen – ein Entdeckung die vermehrt Atomgegner auf den Plan rief. So begann ein Bürgerkrieg, der als „Gamma-War“ in verlorene Geschichtsbücher einging. Regierungen zerfielen und unzählige Splittergruppen bildeten sich.
Das Militär zerfiel in paramilitärische Gruppen, und Religionen wurden zu radikalen Sekten, die unter dem „Zeichen Gottes“ zu Heilsbringern mutierten.
Nichts blieb, wie es war. Nach und nach eroberte die Natur die Stadte zurück. Die Wahnsinnigen, die bald nur noch als Insani bekannt waren, wurden täglich mehr – und das Ende rückte unerbittlich näher.
In drei Jahren hatte sich der Mensch vom überlegenen Alpha-Predator in ein sinn- und zielloses Raubtier verwandelt. Es brauchte nicht mehr viel, bis jegliches Zivilisation zusammenbrach. Misstrauen und Paranoia zerrütteten die Gesellschaft und dort, wo Anomalien auftraten, taten die Stimmen ihr Werk.
Drei Jahre nur – und das war das Ende der Welt.
Verfluchte Hütte
Leises Knistern
drang aus dem kleinen grauen Geigenzähler, der Emma vor erhöhten
Strahlungswerten warnte.
Sie klopfte mit ihren dreckigen Fingernägeln auf das Ziffernblatt unter dem zerkratzten Plexiglas und
der rote Zeiger sprang wild hin und her. Sie fluchte und schüttelte den kleinen
Kasten, jedoch ohne großen Erfolg. Das Gerät gab langsam den Geist auf. Der
Reißverschluss ihrer löchrigen Jacke wehrte sich etwas, als sie ihn bis zum
Anschlag hochzog, dann griff sie in den morschen Fensterrahmen vor sich. Emma
war besonders vorsichtig, um nicht ausversehen in die Scherben zu fassen, die
auf dem Brett dahinter verteilt lagen. Sie zog sich vorsichtig ins Innere und
zertrat weiteres Glas, als sie in den dahinterliegenden Raum kletterte. Sie blieb
in der Hocke und schaltete die Taschenlampe ein. Das Innere der kleinen Hütte
bestand aus zerfallenden Wänden, durch die man in die angrenzenden Räume
blicken konnte. Der gelbe Putz bröckelt bereits und Papier, zerstörte
Einrichtung und verbrauchte Munition lag überall verstreut. Emma seufzte und
richtete sich auf. Im Inneren der Hütte schien es zum Kampf gekommen zu sein
und ihre Hoffnung etwas Essbares zu finden, schwand.
Sie überlegte, ob
noch Zeit wäre, etwas zu jagen und spähte währenddessen in die zwei übrigen
Räume. Der größere der beiden war im hinteren Teil mit Decken ausgelegt und ihr
stieg der Geruch von Verwesung in die Nase. Ihre Eingeweide zogen sich zusammen
und Magensäfte stiegen aus ihrem leeren Bauch empor. Sie schmeckte Galle und musste
sich zusammenreißen, die wenigen Beeren, die sie zum Frühstück gehabt hatte,
nicht wieder loszuwerden.
Sie mied den Schlafsaal vorerst und suchte in den
Regalen und Schränken nach Konserven. sie fand bloß übelriechende Kleidung und
ein paar Schachteln Munition. Letztere ließ sie im Rucksack verschwinden und
zog dann den Schal vor den Mund, um sich gegen den üblen Geruch im Schlafsaal
zu schützen. Dann betrat sie zögernd den Raum. Hier war es noch dunkler. Die
Fenster waren mit Brettern vernagelt und es fielen nur einzelne Streifen
Tageslicht auf die dreckigen Matten. In der Ecke des Zimmers formte sich in den
Schatten ein undeutlicher Haufen und der Gestank wurde unerträglich. Der Kegel
ihrer Taschenlampe durchdrang die Dunkelheit und Fliegen summte über dem jetzt
erleuchteten Leichenberg. Jemand hatte die leblosen Körper übereinander
gestapelt und Emma zog schnell den Schal vom Mund bevor sie sich auf die
dreckigen Dielen übergab. Die unnatürlich verkrümmten Glieder waren zu klein
für die von Erwachsene und ragten kreuz und quer ineinander. Emma hatte so
etwas bereits gesehen. Kinder waren die einzigen, die sich in ihrer
Sorglosigkeit noch zu größeren Gruppen zusammen taten und die Insani hatten aus
irgendeinem seltsamen Grund besonders viel Freude daran, sie zu foltern und zu
töten. Eingeweide hingen aus zerfleischten Leibern und die kleinen Gesichter
waren grotesk entstellt. Nur das zu oberst liegende blickte friedlich mit
starren Augen zu Decke in der Hand einen verkohlten Teddybären, dem die Augen fehlten. Emma wandte sich ab, bevor Sie sich erneut übergeben konnte. Sie würgte und
spuckte doch da war nichts mehr in ihrem Magen, was sie hätte von sich geben
können. Als die Übelkeit langsam wieder verflog, zog sie den Schal wieder vor
den Mund und leuchtete den Rest des Raumes ab. Vor einer der Matten erblickte
sie leere Konserven und einen zerstörten Kocher. Emma bewegte sich vorsichtig
auf die Matten zu und stieß sie mit dem Fuß gegen eine leeren Blechschachteln.
In einer Eingebung tastete sie die provisorischen Betten ab und musste
schmunzeln, als sie tatsächlich fündig wurde. Unter manchen der Stoffe
knisterte es und sie zog einige Schokoriegel unter den Laken hervor. Ihr stieg
erneut der Gestank von Verwesung in die Nase und sie verzog das Gesicht.
Schnell verstaute sie die Schokolade in ihrem Rucksack und stand wieder auf.
Die Stimmen waren
erst ganz leise, wie ihre eigenen Gedanken, dann wurden sie immer lauter als
stünden um Emma herum lauter Menschen die im Flüsterton auf sie einredeten. Manches
davon verstand sie klar und deutlich, andere wiederum waren wie Echos, die von
den Wänden widerhallten. Sie vernahm
einzelne Fitzel in ihrer Sprache, andere Worte wiederum waren ihr so fremd, als
würden mehrere Sprachen durcheinander wirbeln. Das Knistern im Kästchen an
ihrer Hüfte wurde lauter und sie versuchte die Stimmen zu verdrängen, während
sie hastig den Rucksack schulterte.
"Verzagt
das Kind hat Efeu im Mund", Emma rannte zum
Fenster und Panik stieg in ihr auf. Sie konnte die Bilder grade noch
unterdrücken.
"Sieben
Hunde bellen der achte ist tot", sie hiefte
sich durch den Rahmen und schnitt sich am Glas. Die Stimmen jagten ihr kalte
Schauer über den Rücken und jetzt sah sie blasse Bilder ihr Blickfeld
überlagern.
"Versteckt
der Zweifel, gesät wird mit Blut", sie fluchte
und stolperte weiter, die Stimmen hallten immer noch von Fern.
Zum Glück
verblasste das Flammenmeer vor ihrem inneren Auge bereits wieder.
"Wege ohne
Wiederkehr, Flüsse ohne Quellen", dann waren
die Stimmen nur noch ein Flüstern im Wind und es blieb nur das beklemmende
Gefühl in ihrer Brust zurück. Sie atmete tief ein und aus, dann hatte sie sich
wieder etwas beruhigt und ließ die verfallene Hütte hinter sich.
Süße Errinerungen
Die Sonne die sich
den Tag über hinter Wolken versteckt hatte, versank bereits hinter hohen
Wipfeln als Emma die niedrige Höhle erreichte. Riley erwartetet sie bereits und
ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus als sie Emma erblickte.
"Ich bete
jedesmal dafür, dass du wiederkommst, auch wenn ich nicht weis ob es überhaupt
etwas nützt.
Ihre Freundinn
rieb sich müden die blauen Augen und fuhr dann mit der Hand über ihren runden
Bauch.
"Der Kleine
war auch schon ganz unruhig, ich dachte schon er spürt vieleicht etwas."
Emma lächelte ebenfalls
und setzte den Rucksack vor der Höhle ab.
"Kann schon
sein. Ich habe Stimmen gehört, nicht weit von hier."
Emmas Tonfall
würde ernst, als sie Riley von der Hütte berichtete und was sie dort gefunden
hatte.
"Vermutlich
Insani", folgerte sie dann und beschloss:
"Wir sollten
so bald wie möglich weiter. Denkst du der Kleine kommt damit klar?"
Ihre Freundin
seufzte, nickte aber verhalten.
"Ich glaube
es ist bald soweit.", murmelte sie nach einiger Zeit.
Emma runzelte die
Stirn.
"Es ist doch
gerade mal ein Monat her seit wir aus dem Fort raus sind."
Riley strich sich
durchs rote Haar und hielt sich an einer niedrigen Birke fest während sie sich
langsam an der Feuerstelle niederließ.
Die Asche war
kalt, da sie sich nicht getraut hatten Feuer zu machen und so vielleicht Insani
anzulocken.
"Ich hoffe es
wird keine Frühgeburt. Er wird es doch so schon schwer genug haben."
Riley wirkte
sichtlich niedergeschlagen und Emma setzte sich neben sie.
Sie strich ihrer
Freudin mit der Hand über den Rücken um sie zu trösten.
"Hey das wird
schon. Emera hat mir doch alles beigebracht. Und es war wirklich nicht einfach
der Alten so lange zuzuhören."
Riley musste
grinsen,
"Ja, das
glaube ich dir aufs Wort."
Dann wurde sie
wieder ernst und fragte mit zitternder Stimme:
"Glaubst du
der Kleine wird jeh ein Leben wie das im Fort kennenlernen? Ich meine dort war
es sicher, aber hier draußen..." Sie sprach nicht weiter und Emma wusste
was sie meinte. Sie hatten kaum genug Essen um sich selbst zu ernähren und "da
draußen" lauerten Gefahren, die für eine kleines Kind den Tot bedeuten
konnten.
Auch ohne die
ständige Angst vor den Insani, würde es schon schwer genug werden. Sie
schwiegen beide und Emma wusste nicht was sie darauf erwidern sollte.
Dann fielen Emma
die Schokoriegel wieder ein und sie zog den Rucksack zu ihnen herran. Vieleicht
wurde etwas Süßes Riley ablenken. Sie kramte die Riegel hervor und hielt einen
davon Riley unter die Nase.
"Schau mal
was ich gefunden habe."
Wie sie erwartet
hatte bekam ihre Freundinn große Augen und ihre Sorgen waren kurzzeitig
vergessen.
"Wo hast du
die denn her?"
Emma grinste und
zog triumphierend eine Augenbraue in die Höhe.
"Die Kinder
hatten sie unter den Laken versteckt, so wie wir damals. Erinnerst du dich
noch?"
Riley schnappte
ihr den Riegel aus der Hand und riss gierig an der glänzenden Verpackung.
"Klar
erinnere ich mich. Wir haben sie immer unters Kopfende geschoben damit
Schwester Jana sie nicht findet."
Beide Mädchen
mussten grinsen und Riley schob sich genüsslich ein großes Stück Schokolade in
den Mund.
"Der kleine
Bucky hatte immer die meisten, weißt du noch?"
"Ja weil er
schie unsch immer geklaut hat.", schob Reiley mit vollem Mund ein.
"Gieriger
kleine Bucky.", stimmte Emma nicktend zu.
"Und als
Rache habe ich sie ihm eine Nacht, halb geöffnet unter den Mittelteil seines
Lakens geschoben. Weißt du noch wie er geguckt hat, als am nächsten Morgen der
ganze Schlafsaal dachte, er hätte sich in die Hosen gemacht?"
Sie prusteten los
und Emma hielt sich den Bauch vor lachen.
"Da bekommt
die Bezeichnung Rache ist süß eine ganz andere Bedeutung.", legte Reyli
nach und ein weiterer Lachflasch schüttelte die beiden
Rileys gute Laune
hielt dank der Schockolade noch etwas an und Emma beschloss das es nicht
schaden konnte, sich noch eine Nacht auszuruhen. Vieleicht waren die Insani
schon längst weitergezogen und sie machte sich völlig umsonst Sorgen. Außerdem
wollte sie ihrer Freundin die Laune nicht wieder verderben und so teilte sie
die übrige Schokolade in zwei Hälften und aßen eine davon sofort.
Die andere
verstaute Emma wieder im Rucksack. Dann stand sie auf und begutachten ihre
schokoladenverschmierten Hände.
"Wie in alten
Zeiten was?", sagte sie und hielt sie in die Luft.
"Ja, fast wie
in alten Zeiten.", antwortete Reiley und ein Hauch von Wehmut lag in ihrer
Stimme.
Emma zog ein
Handtuch aus dem Rucksack und ging hinunter zum Fluss, der nicht weit entfernt
durch die Wildnis rauschte. Sie wusch sich Hände und Gesicht und fuhr sich mit
den nassen Fingern durchs Haar, bis wieder etwas Blond unter all dem Schmutz
hervor kam. Dann sammelte sie ein Arm voll Holz und ging zurück zum Lager. Sie
entzündete ein kleines Feuer, auch wenn sie wusste wie riskant es war.
Doch wenn sie Morge früh bereits weiter zogen, wollte Emma wenigstens nicht mit kalten Gliedern
ins Bett gehen.
Die Leichen in der
Hütte waren schon mehrere Tage alt gewesen und Insani blieben nie lange an
einem Ort, erst recht nicht, wenn es dort nichts lebendes mehr zu holen gab.
Sie aßen den Rest der Beeren, die sie am Tag zuvor gesammelt hatten und Emma
betrachtet Riley von der Seite, die vermutlich in Gedanken bereits wieder bei
der bevorstehenden Geburt war. Sie wusste nicht was sie sagen könnte um es besser zu machen und so
rückte sie einfach ein Stück näher und legte den Arm um die Schultern ihrer
Freundin. So saßen sie einige Zeit lang da und starrten in die Flammen. Schließlich legte Riley
den Kopf auf ihre Schulter und Emma versuchte sich daran zu errinnern wann sie
das letzte Mal so da gesessen hatten. Sie wusste es nicht mehr. Zu viel war passiert
worüber sie keine Kontrolle gehabt hatten und keiner von ihnen war mehr
unschuldig oder naiv wie sie es damals im Kloster gewesen waren.
"Ich habe von
ihm geträumt", sagte Riley plötzlich, machte jedoch keine Anstalten sich
zu bewegen oder den Kopf von Emmas Schulter zu nehmen.
"Es war wie
als würde er noch leben. Wie als wäre er direkt bei mir."
Emma versteift
sich doch auch sie wollte die Nähe nicht aufgegeben, die sich ergeben hatte.
Eine Nähe, die einst selbstverständlich zwischen ihnen gewesen war.
"Also ein
schöner Traum", stellte Emma fest, auch wenn es sich wie ein Dolchstoß
für sie anfühlte, wie Riley über ihn redete.
"Ja, aber
dann habe ich mich wieder daran errinert was passiert ist und wer uns gerettet
hat. Wenn du nicht gewesen wärst..."
Emma nickte nur,
sie konnte nichts sagen. Da war wieder dieser Kloß in ihrem Hals, der sich
immer dann ihren Rachen empor schob, wenn sie an die Flucht aus dem Fort
dachte, an das was geschehen war.
Sie schwiegen
erneut, und schließlich waren die Flammen so klein geworden, das Emma vorschlug
schlafen zu gehen.
"Wir sollten
Morgen früh los", erklärte sie nur und Riley nickte. Ihre Freundinn ging
vorraus und Emma kroch zu ihr in die Höhle. Im Schein der Taschenlampen
wickelten sie sich in die löchrigen Decken, bis kein Wind mehr hindurch kam und
kuschelten sich eng aneinander.
Emma schaltete die
Taschenlampe aus und Reiley seufzte zufrieden, als Dunkelheit die beide umfing.
"Ich wüsste
nicht was ich ohne dich machen würde", begann sie im Flüsterton.
Emma antwortete
nicht, doch sie ließ zu, das Riley ihre Hand auf die Rundung ihres Bauches
legte.
"Fühl
mal.", sagte sie nur und Emma spürte zaghafte Bewegung unter dem gewölbten
Stoff.
"Er wird in
Sicherheit aufwachsen, das verspreche ich dir.", hauchte sie, auch wenn
sie sich nicht ansatzweise wusste, wie sie dieses Versprechen halten sollte.
"Ich weiß.
Solange du bei uns bist, wird ihm nichts passieren, da bin ich mir sicher"
Dann drehte Riley
leicht den Kopf und ihr Lippen legten sich sanft auf die von Emma.
Erst versteift sie sich in Rileys Armen, doch dann erwiderte sie den Kuss und es schmeckte nach
Schokolade und Beeren.
Als sich Reilys
warme Lippen wieder von ihren lößte, merkte Emma, dass sie die Hände zu Fäusten
geballt hatte. Es war seltsam, aber die Berührung ihrer Freundinn machte ihr
Angst und beruhigte sie, zur gleichen Zeit.
"Wofür war
das denn?, fragte sie außer Atem.
Reily strich ihr
eine Strähne aus der Stirn und Emma nahm ihre Hand in ihre.
"Ich weiß
nicht. Es hat sich einfach richtig angefühlt. Du bist immer für mich da, obwohl
du schreckliches durchgemacht hast und ich nicht da war, als du mich gebrauch
hast."
Riley kuschelte
sie sich noch enger an sie und vergrub ihr Gesicht in Emmas Nacken. Emma
spührte wie ihr Tränen über die Wangen liefen und der Schmerz war fast noch
genauso schlimm wie damals.
"Ihr beide
seid doch alles was ich noch habe.", erwiderte Emma mit belegte Stimme,
doch Riley war bereits eingeschlafen.
Überall Insani.
Als Emma erwachte
wusste sie sofort dass etwas nicht stimmte. Der Platz neben ihr war kalt und
eine schreckliche Vorahnung kletterte aus ihren Eingeweiden empor.
Sie vernahm
Stimmen von außerhalb der Höhle und sofort war sie hellwach. Sie griff nach der
Baretta unter ihrem Kopfkissen und schlüpfte lautlos in ihre Jeans.
Dann stoplterte
sie nach draußen und sah sich um. Bei der Feuerstelle kauerten zwei Männer und
ein dritter stand mit einer verrostete Machete in der Hand direkt vor der
Höhle. Er sah sie und grinste mit fauligen Zähnen, Riley war nirgends zu sehen.
Die Haare des Insani waren strähnig und dunkel und er war bestimmt ein ganzen
Kopf größer als sie, doch es brauchte mehr um Emma einzuschüchtern.
Seine Kleider
hingen zerfetzt an ihm hinunter und er machte einen Schritt auf sie zu, während
er die Waffe hob. Emma riss die Pistole nach Oben und entsicherte im
gleichen Moment.
"Wo ist meine Freundinn?", fragte sie so
selbstsicher wie sie konnte.
"Ooho,
frisches Fleisch, gleich zwei auf einen Streich", säuselte der Insani und
griff an.
Emma drückte ab und die Kugel traf ihn direkt in die Brust. Er
trudelte zur Seite und blieb liegen. "Wo ist meine Freundin ihr
verschissenen...", weiter kam sie nicht, den Kugeln saust ihr um die Ohren
und weitere Insani kamen mit Gewehren im Anschlag aus dem Wald gelaufen. Emma
warf sich hinter einen Felsen und presste sich mit dem Rücken dagegen. Ihr Herz
raste und sie verfluchte sich für ihre Sorglosigkeit.
Sie hätten direkt aufbrechen sollen, noch am selben Abend an dem sie die Hütte gefunden hatte. Das
Feuer musste sie angelockt haben.
Emma hatte Riley
nur diese eine friedliche Nacht geben wollen, dabei wusste sie doch das es
keinen Frieden mehr gab.
Frieden war nur
noch eine Illusion und wer sich ihr hingab, starb.
Die Männer
kreisten sie ein und Emma war froh, dass sie nicht zu den Mädchen gehörte, die
sich immer nur mit Puppen beschäftigt hatten. Sie spähte links am Stein vorbei
und feuerte zweimal in Richtung des Insani, der sich von links ihrem Versteckt
näherten. Eine der Kugeln erwischte ihn am Oberschenkel und er kippte zur
Seite. Emma verließ ihre Deckung und rannte Richtung Fluss. Sofort zersprengten
Kugeln die Erde um sie herrum und sie hechtete gebückt hinter die nächste
Deckung. Das Gras um sie war taufeucht und roch nach Erde. Emma robbte durch die
hohen Halme zu einem der ausrangierten Trucks, die am Ende der Straße standen,
über die sie gekommen waren. Die vom Wetter rostigen Türen hingen in den
Angeln. Ein weiterer Insani kam ihr entgegen und spähte zum Baumstumpf hinüber,
hinter dem sie sich gerade noch versteckt hatte. Sie zog ihr Messer und schlich
sich seitlich an ihn an. Sie zwang sich gleichmäßig zu atmen und so leise wie
möglich zu sein.
Dann trat auf
einen Ast. Es knackte verräterisch und der Insani fuhr zu ihr herum. Sie rannte
auf ihn zu und bevor er seine Waffe heben oder schreien konnte, rammte von unten das Messer in seinen Hals.
Warmes Blut floss
über ihre Hände und der Geruch von Eisen stieg ihr in die Nase.
Doch jetzt war
keine Zeit für Skrupel. Diese Leute waren längst nicht mehr bei Verstand,
hatten sich den Stimmen hingegeben und außerdem hatten sie Riley. Der Insani
zuckte noch ein paar Mal, dann brach er zusammen und Emma wischte das Blut am
Gras ab. Stimmen näherten sich und Emma kroch unter einen der Trucks. Sie
presste sich gegen das kalte Eisen der Achsen und das Herz schlug ihr bis zum
Hals. Schritte näherten sich und mehrere paar Füße verteilten sich um das
Fahrzeug. Einer der Männer bückte sich, schaut unter den Truck und Emma drückte
ab. Er kippte mit zerfetztem Gesicht nach hinten. Im selben Moment packte sie
ein paar Hände sie an den Füßen und sie wurde bäuchlinks unter dem Fahrzeug
hervorgezerrt. Sie schlug knurrend um sich und versuchte sich umzudrehen um besser zielen zu können. Doch
der Insani trat ihr in die Seite und Emme krümmte sich keuchend auf dem Boden.
Sie rang verzweifelt nach Luft, konnte nur noch verschwommen sehen wie der Insani sich neben sie hockte.
Er zog ein breites
Jagdmesser vom Gürtel Emma griff mit ihrem eigenen Messer an, bevor er die Waffe
benutzen konnte. Sie sah nicht wo genau sie ihn getroffen hatte, doch er fiel
verletzt nach hinten und fluchte.
Emma kam auf ein Knie, als sich ihr
Sichtfeld wieder klärte, jagte sie dem Insani eine Kugel in den Kopf.
Ihr blieb
keine Zeit zu verschnaufen, der nächste Angreifer kam bereits um den Truck
gelaufen. Emma feuerte in seine Richtung und er sackte seitlich gegen das
Fahrerhaus. Seine Verletzungen zogen eine Blutspuren über den rostigen
Kotflügel und Emma zielte auf ihn, bis er auf dem Boden aufschlug. Ein Blick
über das Heck des Trucks verriet ihr, das weitere Männer im Anmarsch waren.
Sie
feuerte ihre restlichen Kugel auf die Insani und zwei, von ihnen gingen zu
Boden. Dann verschwand sie wieder hinter ihrer Deckung und wollte nach dem
zweiten Magazin greifen.
Sie fluchte. Es musste ihr bei ihrer Kriechaktion
durchs Gras vom Gürtel gerutscht sein. Sie schaute in Richtung der Höhle wo sie
die übrigen Munition verstaut hatte, doch der Weg war versperrt. Auch aus
dieser Richtung nähern sich Insani. Sie durchsuchte die Leichen hinter dem
Truck und fand Munition und ein Jagdgewehr. Sie schob die Kugeln in den Lauf
und drehte sich gerade noch rechtzeitig um bevor ein weiterer Mann und um das
Fahrzeug bog. Er zögerte einen Moment zu lange und Emma schoss ihm in die
Brust. Er flog nach hinten und Emma duckte sich hinter das verbeulte Eisen des Grucls.
Sie spürte wie der Wagen erzitterte als Kugeln in die Karosserie einschlugen.
Emma wartete eine Feuerpause ab, lud nach und
zielte dann über das zerlöcherte Metall des Trucks hinweg. Einer der Männer
taucht dahinter auf und wurde von einer Kugel von den Füßen gerissen.
Ihr blieb
keine Zeit neue Kugeln in die Kammern zu schieben denn die übrigen Insani
feuerten wieder und einer bog mit gezogenem Messer um den Truck. Sie warf das
Gewehr zur Seite und ging in Kampfstellung. Zum Glück besaß der Man keine
Feuerwaffen und sie ließ ihn näher kommen.
Bevor er
bei ihr angelangt war, trat sie einen Schritt auf ihn zu und umging seine
fahrige Deckung mit einem leichten Schlag gegen den Unterarm. Dann rammte sie
ihm das Messer in die Seite und trat hinter den Insani. Sie dirigierte ihren
menschlichen Schutzschild aus der Deckung und Kugeln erfassten ihn. Ihr blieb
gerade noch genug Zeit das Messer aus seinem Bauch zu ziehen, bevor er sie mit
zu Boden riss.
Emma kam ins Sträuchern und stolperte von Kugeln verfolgt
Richtung Höhle. Sie war wieder hinter ihrer ersten Deckung angekommen als das
Feuer abrupt abbrach.
Rufe aus dem Wald
zitierte die Männer zum Ruckzug und Emma spähte irritiert zu ihnen hinüber.
Das
war nicht normal, sie schienen organisiert zu sein.
Seltsam?
Emma wich langsam
in die Höhle zurück und versuchte sich darüber klar zu werden was das
bedeutete. Ein Schlag auf den Unterarm, riss sie aus ihren Überlegungen und
ihre Pistole landete klappern auf dem Boden. Kalter Stahl legte sich von hinten
an ihre Kehle.
"Du riechst
so gut.", säuselte es an ihrem Ohr. Heißer Atem Strich über ihren Nacken
und ein weiterer Insani kam mit eine Brecheisen in der Hand um sie herum.
In
der anderen Hand hielt er ihren Rucksack und in seinem Mundwinkel hing einer
ihrer Schokoriegel. Er spuckte ihn Emma vor die Füße und kalte Wut kochte in
ihr hoch.
Sie versuchte die
Gedanken an Riley beiseite zu schieben. Sie musste einen kühlen Kopf bewahren,
doch Bilder zuckten durch ihren Geist.
Riley, wie sie lächelnd einen
Schokoriegel nach dem anderen verspeist, ihr Blick, wenn sie auf den gerundeten
Bauch hinunter schaute, und das was darin herranwuchs. Gefühle drohten sie zu
überwältigen. Das Kribbeln in ihren Bauch, als Riley sie geküsst hatte. Und die
Trauer, als Riley sich bei ihr entschudigt hatte. Sie schob das alles beiseite
und versuchte die Angst herunterzukampfen, die sie zu verzehren drohte. Ihr
Gehirn schaltete auf Autopilot und sie stieß dem Mann hinter ihr den Ellbogen
in den Bauch. Nur ganz kurz lockerte er den Griff um ihr Handgelenk doch es
reichte aus, das sie sich aus seinem Griff befreien konnte.
Mit einer schnellen
Drehung, bog sie dem Insani den Arm auf den Rücken und drückte mit aller Kraft.
Es knackte und der Mann schrie. Dann saß sie auf ihm und schlug mit bloßen
Fäusten auf sein Gesicht ein. Einmal, zweimal, dreimal, dann griff der zweite
Mann sie von hinten und wollte sie von ihm hinunterziehen. Emma schlug seinen
Arm beiseite und kassierte einen Tritt. Sie wurde zur Seite geschleudert und
kurz wurde ihr schwarz vor Augen. Dann war der Insani über ihr und holte mit
der Brechstange aus.
"Stirb!", schrie er hysterisch und ließ das spitze
Ende auf Emmas Gesicht hinuntersausen. Sie schaffte es gerade noch ihren Kopf
zur Seite zu reißen und rammte die Faust in seiner Seite.
Er keuchte und sie
rollten umeinander. Beide versuchten den Gegner zu fassen zu bekommen und
schließlich gelang es Emma die Oberhand zu gewinnen. Sie legte die Hände um
seinen Hals, doch der Insani dessen Gesicht sie blutig geschlagen hatte, warf
sich von der Seite erneut auf sie. Er zerkratzt ihr das Gesicht und Emma fiel
auf den Bauch. Sie spürte sein Gewicht im Rücken und schmeckte Blut. Dann
erblickte sie das Magazin vor ihr. Es musste aus dem Rucksack gefallen sein als der Insani ihn zur Seite geschleudert hatte und Ihre Waffe lag nicht weit davon entfernt.
Sie versuchte sich vom Gewicht des Insani zu befreien, doch ihre Finger glitten
nur Millimeter an der Baretta vorbei. Sie spürte einen Tritt gegen ihren
Kopf und Schmerz explodierte in ihrem Nacken.
Emma sah Sterne. Ihr war schwindelig
und dann schlecht, doch sie versuchte mit aller Kraft bei Bewußtsein zu bleiben.
Sie
stöhnte, spuckte Blut und konnte kaum atmen. doch der Tritt war nicht tödlich
gewesen und das Gewicht in ihrem Rücken nahm ab. Sie unterschätzen sie. Ein
grimmiges Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Ein weiterer Tritt
folgte, doch sie konnte rechtzeitig die Arme hochreißen. Sie spuckte Blut und
robbte weiter.
Gerade als sie nach dem kalte Metall ihrer Waffe griff, blitzte
es am Rand ihres Blickfeldes und sie rollte sich instinktiv zur Seite. Die
Machete schlug neben ihr auf den Fels und es sprühten Funken.
Der Insani hob
erneut die Arme und Emma schob das Magazin ein. Gerade noch rechtzeitig riss
sie die Waffe hoch und feuerte. Der Angreifer brach zusammen bevor die Machete
ihr Schaden zufügen konnte und Emma hielt die Waffe in Erwartung eines weiteren
Angriffs erhoben. Doch da war niemand mehr, der sie angreifen konnte.
Unheilvolle Spur
Emma senkte die
Waffe ihr Kopf sackte erschöpft auf den Höhlenboden. Sie versuchte wieder zu
Atem zu kommen und jetzt erst merkte sie, dass ihr ganzer Körper schmerzte. Sie
tastete sich ab und stellte fest, daß ein feiner Schnitt über ihren Hals lief,
wo das Messer des Insani sie gestreift hatte, sonst war sie jedoch unverletzt.
Nur einige Blaue Flecke und Schrammen, nichts allzu schlimmes. Sie wischte das
Blut beiseite und versuchte aufzustehen. Ihre Beine knicken fast ein, als sie
sich auf die Füße zog, doch sie behielt das Gleichgewicht.
Im selben Moment
vernahm sie ein Stöhnen vom Eingang der Höhle. Der Insani dem sie die Nase
zertrümmert hatte, lag alle Viere von sich gestreckt da und bewegte sich kaum
merklich. Emma ging langsam zu ihm hinüber und biss die Zähne zusammen, als ihre
Prellungen sich bemerkbar machten. Die Augen des Insani weiteten sich als sie
in sein Blickfeld trat. Seine Stimme war schwach und nur ein Flüstern, doch
Emma verstand jedes seltsame Wort:
"Sie flüstern
so leise, hörst du es? Das Ende der Welt ist Anfang... Anfang von etwas... Von
etwas Neuem..."
Emma lud die Waffe
nach und setzte sie ihm auf die Stirn. Als sie dabei in die Hocke ging verzog
sie erneut vor Schmerz das Gesicht.
"Wo ist meine
Freundinn? Wo bringt ihr sie hin?"
Ein blutiges
Grinsen durchzog das Gesicht des Mannes.
"So Unschuldiges in ihr. Der Erlöser wird es uns
geben zum spielen." Sie war also nicht tot, noch nicht. Emma atmete auf,
doch die Worte des Insani beunruhigten sie trotzdem.
"Wo bringt
ihr sie hin?", stieß sie erneut durch zusammengebissene Zähne hervor.
"Frieden der
Kindern. Es wird unser Friede sein."
Sie schlug ihm ins
Gesicht,
"Was habt ihr
mit ihr vor?"
Eigentlich war die
Frage unnötig, sie wusste es doch bereits.
Der Insani grinste nur und Emma beschloss das es sinnlos war etwas aus ihm herausbekommen
zu wollen. Der Schuss hallte in der kleinen Höhle wieder und sein Grinsen
erlosch. Emmas Ohren klingelte und sie ließ sich auf den Hosenboden fallen.
Dann wischte wie sich den Schweiß von der Stirn. Sie dachte an Rileys Lächeln
und an ihr rotes Haar, an die Art wie sie redete, an jede kleine Zärtlichkeit
die sie ihr hatte zukommen lassen.
Sie würde jeden
töten der ihr etwas antat; Jeden einzelnen. Aber wie lange hatte ihre Freundinn
noch? Stunden? Tage? Emma wusste es nicht es.
Es gab Geschichten
über Leute die Monate lang von Insani gefoltert worden waren. Aber wie lange
hielt Riley durch? Was würden sie ihr bereits alles angetan haben bevor Emma
sie fand? Sie rappelte sich auf und verband notdürftig die Wunde an ihrem Hals.
Dann packte sie ihren Rucksack, überprüfte Munition und Waffen und stellte fest
dass sie den Großteil des Kleinenkalibers verschossen hatte. Nur das Gewehr zählte noch ein Dutzend Schuss.
Für ihre Pistole hatte sie gerade mal noch ein halbes Magazin. Sie konnte sich
keine großen Schusswechseln mehr leisten, doch darüber wurde sie sich auf dem
Weg Gedanken machen. Sie schulterte den Rucksack, dann wusch sie das Messer und
die Machete im Fluss und brach auf. Die Spuren war noch frisch und sie folgte den
Abdrücken bis zu der kleinen Hütte vom Vortag.
Emma machte einen großen Bogen darum, brauchte allerdings nicht lange
bevor sie die Spur wiederfand. Die Männer hatten nicht gerade versucht
unauffällig zu sein.
Nach einigen
hundert Metern vernahm sie Stimmen und horchte auf. Sie schienen von einer
Lichtung zu kommen, die keine fünf Meter ab vom Weg lag und mit kleinen Birken
und Sträuchern gesäumt war. Sie schlich im Schatten der Bäume so nah heran wie
sie konnte ohne gefahr zu laufen entdeckt zu werden und sah drei Personen auf
Baumstümpfen und bemoosten Steinen sitzen. Sie schienen sich leise miteinander
zu unterhalten, doch der Wind trug ihre Worte fort, so daß Emma nicht genau
verstehen konnte, worüber sie redeten. Sie schlich vorsichtig näher und zog das
Gewehr aus dem Holster auf ihren Rücken. Die Waffen der Männer lehnten an den
verrotenden Stämmen und langsam trat sie auf die Lichtung. Sie hielt den Lauf
des Gewehres auf die Gruppe gerichtet und musterte die drei genauer. Die
einzige Frau unter ihnen, hatte ihr Gesicht in den Händen vergraben und die
braunen Haare fielen ihr über die Beine. Sie trug eine einfache Lederjacke und
dieselben beigen Hosen wie der Mann rechts von ihr. Er erblickte sie zuerst und
sprang auf. Sein roter Bart verriet, das seine Haare ebenfalls einmal diese
Farbe gehabt haben mussten. Rot, genau wie die von Riley. Er wollte nach der
Waffe neben ihm greifen, doch Emma ließ die Mündung ihrer Waffe in seine
Richtung schnellen.
"Ganz
langsam. Weg von den Waffe!", sagte sie mit einer Ruhe in der Stimme die
sie selbst erstaunte. Der Mann gehorchte und auch der mit dem Rücken zu ihr saß
drehte sich nun langsam zu ihr um. Er war ein gutes Stück älter als der
Rothaarige und trug eine grüne Stoffveste,
ein scharzes Overal und ebenfalls grüne Jeans.
Die Frau nahm
jetzt den Kopf aus den Händen und Emma sah dass ihre Augen tränenverquollen
waren. Trotzdem, war sie unerwartet schön.
"Ganz
ruhig", erwiderte der Man mit der Stoffveste.
"Wir werden
dir nichts tun."
Emma deutete auf
die Weinende.
"Was ist mit
ihr? Hörte sie Stimmen?"
Trauer und
Depressionen war meist erste Anzeichen von Verrücktheit und Emma wollte ganz
sicher gehen, dass keine Gefahr von ihr ausging.
Außerdem wollte
sie ausschließen, dass die Gruppe zu Reilys Entführern gehörten, auch wenn sie
davon ausging, daß es sich bei den drei um relativ vernünftige Menschen
handelte, sonst hätten sie sie vermutlich schon längst angegriffen.
"Nein, eine
Gruppe Insani hat ihren Sohn entführt. Sie haben uns überrascht, und wir waren
nicht rechtzeitig wieder da um es zu verhindern."
Emma bedeutete ihm
ebenfalls von seiner Waffe weg zu treten und umrundete die kleine Gruppe.
"Wann sind
Sie hier vorbei gekommen? Ich bin erstaunt das ihr noch lebt? Ich habe nie
davon gehört dass sie Erwachsene verschonen?"
Der Mann mit den
Jeans trat einen Stück von seiner Waffe weg, schien dann aber zu zögern.
"Das war ja
das seltsame. Sie haben nur Edmund mitgenommen, dann hat sie irgendetwas zum
Rückzug bewegt."
Es ist wie heute
Morgen, dachte Emma. Genau das hatte sie schon bei ihrem ersten Zusammentreffen
mit den Insani beunruhigt.
Sie schienen
tatsächlich organisiert zu sein. Merkwürdig, das war das erste Mal dass sie
etwas dergleiches hörte.
"Du suchst
nach ihnen habe ich recht?, fragte der Ältere von den drei, der soetwas wie der
Anführer der Gruppe zu seien schien.
"Warum?",
fragte er weiter
"Das geht
dich gar nichts an", zischte Emma und beugte sich zu seinem Gewehr
hinunter. Er trat einen Schritt auf sie zu doch sie setzt ihm den Lauf auf die
Brust als sie wieder hoch kam.
"Ah-ah-ah",
sagte sie drohend und er hob mit Nachdruck die Hände.
"Schon
gut", beeilt er sich sie zu besänftigen und trat wieder einen Schritt
zurück.
"Wir hatten
grade darüber gesprochen was wir tun sollen. Wenn du ebenfalls hinter ihnen her bist,
könnten wir uns vielleicht zusammentuhen. Wenn wir Edmund befreien wollen brauchen wir
jede Hilfe die wir kriegen können. Unsere Chancen wären zu viert erheblich höher, meinst du nicht auch? Es sieht so aus,
als könntest du gut hier mit umgehen." Dabei zeigte er auf den Gewehrlauf
auf seiner Brust.
"Die beiden
Täubchen da drüben haben die Gewehre bisher nicht einmal angefasst.",
und bei diesen Worten schwang er sein Kopf in Richtung seiner zwei Begleiter.
Emma überlegte
kurz. Er hatte recht, zusammen würden sie es vielleicht sogar schaffen. Sie würde sich nichts vormachen, alleine würde sie es vermutlich
nicht schaffen, aber es war lange her, das sie das letzte mal anderen vertraut
hatte und sie wusste noch zu gut, wie es geendet hatte.
"Wie heißt
ihr beide.", fragte sie dann.
"Desmond",
sagte der Mann.
"Und das ist
meine Frau Silvia."
"Sag mir dass
du okay bist Silvia, das würde mich beruhigen.", sagte Emma und Silvia
nickte schwach.
"Ich bin
okay. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.", sagte sie nur und wischte
sich das Gesicht trocken.
Emma nickte zur
Bestätigung. Keiner der drei wirkte auf sie so als würde er gleich durchdrehen,
das musste vorerst reichen. Sie ließ das Gewehr sinken und wandte sich wieder
an den den älteren Anführer. Seine Haare waren bereits angegraut, seine
hellgrünen Augen dafür umso wacher.
"Ich bin
Jack.", beantwortete er ihren erwartungsvoll Blick.
"Und wie
heißt du? Ich denke zum beidseitigen Vertrauen sollten wir auch deinen Namen
wissen.", fügte er dann hinzu.
"Solltet ihr
Jack?", fragte sieunwirsch und blickte ihn unverwandt an.
"Wir brauchen
einander, das ist alles, erwartet nicht, das wir Freundschaften schließe werden,
sobald wir Edmund befreit haben, bin ich wieder weg."
Jack nickte und
sah zu seinen zwei Begleitern hinüber, wie um sich ihre Zustimmung zu holen.
Desomnd zuckte
blos mit den Schultern, doch Silvia nickte deutlich.
Riley und Emma
hatten sich irgendwann Decknamen gegeben und auch wenn Desmond und Silvia
vertrauenserweckend wirkten, war ihr Jack doch eindeutig zu redselig. Sie
kannte Leute wie ihn nur zu gut. Sie redeten gerne viel um ihre Nervosität zu
überspielen.
"Tamira.",
antwortete sie dann zögerlich, als sei sie sich nicht sicher, ob sie gerade das
richtige tat.
"Aber ihr
könnt mich Tammy nennen. Alle meine Freunde...", sie stockte, als fiele
ihr wieder ein dass alle ihre Freunde tot waren, was ja auch halbwegs der
Wahrheit entsprach. "Na gut Tammy, wir befreien Edmund, du klärst mit den
Insani, das was auch immer du mit denen zu klären hast und dann gehen wir
wieder getrennte Wege. Klingt das nach einem Plan?"
Emma prüfte wie
viel Munition in Jacks Gewehr waren und reichte es ihm dann.
"Kann jemand
von euch mit einem Messer umgehen oder halbwegs kämpfen?", wandte sie sich
an Silvia und Desmond. Desmond nickte und tippte dann an seinen Gürtel. Daran
hing ein viel zu kleines Jagdmesser und Emma reichte ihm die rostige Machete, die
sie dem Insani bei der Höhle abgenommen hatte.
"Am besten
zielst du auf den Hals.", sagte sie, während sie die Munition der anderen
Gewehre überprüfte.
"Ich komme
auch mit.", schaltete sich Silvia jetzt ein. "Ich werde nicht einfach
tatenlos rumsitzen, während mein Sohn von diesen Insani gefoltert wird.
Außerdem kann ich kämpfen, wahrscheinlich sogar besser als..."
"Sei still
Silvia.", fuhr Desmond sie an und Emma runzelte die Stirn.
"Du kannst
also besser kämpfen als Desmond? Warum hast du das nicht gleich gesagt?"
Silvia seufzte.
"Desmond mag
es nicht wenn ich kämpfe, aber ich habe fünf Jahre lang Kampfsport gemacht und
nur wegen ihm damit aufgehört."
"Was für
Kampfsport?", frage Emma und lies Desmond und Jack keine Gelegenheit
Einspruch einzulegen.
"Systema und
Kraf Maga."
"Die ganze
fiesen also, wie? Gib ihr die Machete Desmond."
Er gab sie ihr
widerwillig und Emma nickte.
"Du bleibst
immer in Jacks Nähe und warnst uns wenn jemand uns in den Rücken fallen will.
Ich und Silvia übernehmen die Vorhut."
Jack lachte, als
er Desmonds Gesicht sah und klopfte Emma auf die Schulter.
"Ich mag wie
du denkst Kleine.", sagte er und ging dann auf Desmond zu.
"Nimms nicht
so schwer Des. Anscheinend übernehmen die Frauen das. Neue Weltordnung und so.
Muss man sich erst dran gewöhnen was?"
Desmond knurrte
etwas dass Emma getrost ignorierte, dann schulterte sie das Gewehr.
"Dann los,
worauf warten wir noch?"
Silvias Miene
hatte sich verhärtet und in ihren Augen funkelte Entschlossenheit. Emma begann
sie zu mögen. Auch ihr war bereits viel zu viel Zeit vergangen die sie nur
herum standen und plauderten.
Die Spur war immer
noch frisch und so folgten sie ihr fast den ganzen Tag hindurch. Emma wurde
immer unruhiger umso weiter sie kamen und schließlich wurde es so dunkel, dass
sie nicht mehr weiter konnten ohne die Spur zu verlieren. Jack schloss zu ihr
auf, als sie stehen blieb. Sie hatte erneut die Fährte verloren und fluchte.
"Ich habe
nicht erwartet dass sie so weit weg von ihrem Lager auf Jagd gehen.", sagt
Jack und Emma nickte.
"Ich auch
nicht. Ich vermute in der direkten Umgebung haben sie bereits alles abgegrast.
Das bedeutet aber vermutlich auch dass sie mehr sind als nur ein Dutzend, wie
ich gehofft hatte."
"Dass sie
sich jetzt schon zu so großen Gruppen zusammen tun. Meinst du es wird
schlimmer?"
"Ich glaube
nicht." Ich vermute viel eher was auch immer dafür sorgt dass sie
organisiert sind ist auch der Grund für ihre erhöhte Anzahl. Oder besser gesagt
wer auch immer."
"Du meinst
sie haben einen Anführer?"
"Vermutlich,
auch wenn ich das bis jetzt bei denen immer für unmöglich gehalten hatte."
Dann los!
Sie schliefen die
Nacht über auf einer kleinen Lichtung nicht weit entfernt von der letzten
sichtbaren Spur und doch halbwegs vor Blicken verborgen, sollte jemand
denselben Trampelpfad nutzen, den die Insani genommen hatten. Als Emma
aufwachte, wurde es langsam wieder hell wurde, Jack wr bereits wach und saß auf
einem der Felsen, die sie als Sichtschutz genutzt hatten. Er schaute auf etwas
unter ihm, dass Emmas Blick noch verborgen war. Die Sonne warf erstes Licht an
den Horizont und leichter Dunst lag zwischen den Gräsern. Als sie oben auf dem
Felsen angekommen war, sah sie es.
Unter ihnen zirka
hundert Meter entfernt erkannte sie auf einer freien hügeligen Wiese eine
Gruppe Hütten. Sie kauerten sich ins hohe Gras und schwarze Punkte bewegten
sich dazwischen. Jetzt vernahm sie auch einzelne Geräusche und Stimmen, die der
Wind zu ihnen hinauf trug. Emma wusste nicht, ob sie froh oder verärgert sein
sollte, dass sie die Ansammlung der Hütten nicht schon letzte Nacht ausgemacht
hatten. Auf der einen Seite hätten sie im Schutz der Dunkelheit eindringen
können und wären vielleicht sogar unbemerkt wieder entkommen, auf der anderen
Seite hätten sie den Insani im Dunkeln auch geradewegs in die Arme laufen
können.
Die Zeit lief
ihnen davon. Was war, wenn sie Riley bereits ... Nein darüber wollte sie gar
nicht nachdenken. Riley musste einfach noch leben.
„Dass wir bereits
so nah sind, hätte ich nicht gedacht. Wir hätten sie im Schutz der Dunkelheit
angreifen können.", riss Jack sie aus ihren Gedanken, und Emma zuckte
zusammen. Sie nickte und zog das Gewehr vom Rücken, dass sie vorsichtshalber
mitgenommen hatte. Über der Kimme war ein einzelnes Fernglas-Rohr montiert, dass
Emma zu einem Zielfernrohr umfunktioniert hatte. Sie blickte hindurch.
Die Ansammlung
Holzbauten bestand aus drei kleinen Lauben und einem Herrenhaus. Dahinter lag,
zwischen wogenden Feldern eine Scheune.
Dazwischen liefen
Insani umher was Emma daran erkannte, dass sie wild durcheinander liefen und
nur wenig Disziplin an den Tag legten.
„Was siehst
du?", fragte Jack und Emma reicht ihm das Gewehr.
„Ich vermute,
Edmund ist in dem großen Haus, aber wir müssen an verdammt vielen von denen
vorbei um da reinzukommen."
"Da, ich
glaube, dass muss ihr Anführer sein", sagte Jack und reichte gab ihr das
Gewehr zurück. Er zeigte in Richtung des Herrenhauses und Emma schaute durchs
Fernrohr erneut aufs Lager der Insani hinab.
Plötzlich schienen
die Männer und Frauen bei den Hütten gar nicht mehr unorganisiert, sondern
versammelten sich vor dem Herrenhaus. Auf der Treppe, die zur hölzernen Veranda
hinauf führte, stand ein Mann. Er trug einen breitkrämpigen Hut, sodass man
sein Gesicht nicht sehen konnte, und auch der Rest seines Outfits war wie aus
Western Kostümen zusammengestellt.
Ein ledernes Wams
mit Zotteln am Saum bedeckte seinen Oberkörper, breitbeinige Cowboy Hosen und
Cowboystiefel gaben dem ganzen den letzten Schliff.
„I am a poor
lonesome Cowboy, hey ho, was?", witzelte Jack, doch Emma verfolgte immer
noch konzentriert was Unten geschah.
Nachdem sich die
Horde versammelt hatte, schien ihr Anführer eine patetische Rede zu halten,
denn immer wieder warfen die Insani die Arme in die Luft, und das Grölen war
bis zu Ihnen zu hören. Dann traten weitere Insani aus der Tür und Emma sog
scharf die Luft ein.
Zwischen ihnen
liefen ein kleiner Junge, nicht älter als zwölf schätzte sie, und Riley. Ihr
rotes Haar war klar und deutlich zu erkennen. Sie humpelte zwar, doch schien
wohlauf. Sie lebte, und Emma fiel ein Stein vom Herzen. Der Anführer der Insani
trat zwischen die beiden Gefangenen, legte die eine Hand dem verängstigten
Jungen auf den Kopf und die andere auf Rileys Bauch. Emma juckte der Finger am
Abzug, doch wenn sie nicht traf hätte sie ihren Standort verraten, und auch so
wären ihre Aussichten auf eine heimliche Befreiung vermutlich dahin. Außerdem
war sie sich sicher, das der Anführer der Insani der einzige Grund war, warum
die beiden Gefangenen überhaupt noch lebten.
Jack hatte ihren
scharfen Atem scheinbar wahrgenommen und verlangte nach dem Gewehr. Emma
ignorierte ihn und beobachtete wie der Anführer im Cowboy-Look Riley und Edmund
unter die Insani führte. Sie rührten sie nicht an, doch so wie sie sich
gebarten, war es offensichtlich, dass nur der Cowboy sie daran hinderte die
beiden auf der Stelle zu zerfleischen. Sie hatte also recht. Er hatte sie unter
Kontrolle, auch wenn Emma nicht wusste wie er das anstellte, war sie doch froh
darüber. Es würde für sie einiges schwerer machen, doch es gab ihnen auch die
Zeit, einen vernünftigen Plan auf die Beine zu stellen. Es dauerte eine
gefühlte Ewigkeit, bevor die beiden wieder ins Herrenhaus geführt wurden. Eine
Ewigkeit, in denen die Insani wie wild geworden um die beiden Gefangenen herum
rannten und teuflisch zu tanzen schienen. Danach sagte der Anführer noch ein
paar Worte, doch Emma gab das Gewehr ab und stieg ohne ein Wort an dem fragend
blickenden Jack vorbei vom Stein hinunter. Desmond und Silvia waren
mittlerweile aufgestanden, und Desmond wirkte noch sehr verschlafen. Silvia sah
aus, als hätte sie gar nicht geschlafen. Sie erwartete Emma bereits als sie zu
ihm hinunterkam und ihr Schweigen stellten tausend Fragen. Emma versuchte die
dringendsten davon zu beantworten:
„Wir sind bereits
näher als wir dachten. Das Lager der Insani liegt wenige hundert Meter von
hier. Edmund lebt noch, aber ich weiß nicht wie lange noch. Ich hätte lieber
bis Einbruch der Nacht gewartet, aber wir haben bereits eine verschwendet, also
..."
Den Rest ließ sie
offen, und Desmond fragte mit vollem Mund
„Eor löebt?„
Bei ihm war es
nicht halb so niedlich wie bei Riley und Emma verzog das Gesicht.
„Ich habe Edmund
und den Anführer der Insani gesehen. Er ist meines Erachtens der einzige Grund,
dass euer Sohn überhaupt noch lebt."
Silvia nickte und
Emma fuhr fort:
„Wir müssen
taktisch vorgehen, aber wir können auch nicht riskieren noch mehr Zeit mehr
verlieren. Wir solllten etwas esse, dann geht es los."
Sie aßen ein
dürftige Frühstuck aus Beeren und Konserven, doch Emma bekam kaum etwas
hinunter. Als Jack sich zu ihnen gesellte, beschloss sie ihn etwas auszufragen.
In ihrem Kopf setzte sich bereits ein Plan zusammen, doch sie musste wissen, zu
was der Alte fähig war, bevor sie ihre Hoffnungen in ihn setzte. Er erzählte,
dass er aus Ohio kam und als Jäger gearbeitet hatte bevor alles anfing. Was er
dazwischen getan hatte, zwischen dem Anfang vom Ende und jetzt, ließ er so
vage, dass Emma sich sicher war, dass er irgendetwas verbarg. Er wich ihren
Fragen geschickt aus und schließlich gab sie es auf.
„Na gut",
sagte sie schließlich betont gelassen, obwohl sie sich überhaupt nicht so
fühlte.
„Genug geredet!
Wir müssen los."
Silvia stand
sofort auf, auch sie hatte nicht viel gegessen. Desmond war immer noch mit
Essen beschäftigt und Emma ermahnte ihn mit einem strengen Blick.
„Was? Willst du
mir jetzt auch noch vorschreiben wie lange ich esse?"
„Bitte Desmond,
sie versucht doch nur zu helfen", versuchte Sylvia ihn zu beruhigen.
„Sei still Weib.
Ich lasse mich doch nicht von einem Mädchen herumkommandieren."
Er trat einen
Schritt auf Emma zu und hob drohend die Faust.
"Hatt sie
überhaupt einen Plan wie wir an all den Insani vorbei kommen sollen. Wir sind
nur zu viert und nur zwei von uns können mit Waffen umgehen."
Emma machte
ebenfalls einen Schritt auf ihn zu und ließ ihre Muskeln spielen.
"Drei,
unterschätz deine Frau lieber nicht und ich habe in der Tat eine Plan."
„Pass auf wie du
mit mir umspringst Kleine, oder ..."
"Was
oder", fuhr Jack ihn jetzt an.
„Du verprügelt sie
so, wie du es mit Edmund tust?"
Emma begann sich
zu fragen, ob sie sich über den falschen der beiden Männer Sorgen gemacht
hatte.
Jack packte
Desmond am Kragen doch Silvia ging dazwischen.
„Er hat es
verstanden Jack."
„Ach ja",
fragte dieser nur, ließ Desmond aber wieder los. Emma seufzte.
„Wir haben keine
Zeit für so was. Wenn wir euren Sohn lebend befreien wollen, müssen wir jetzt
los. Geht das für dich in Ordnung Desmond?"
Er brummte nur,
schien sich aber wieder beruhigt zu haben.
Sie folgten dem
Pfad, bis sie einen passablen Abstieg ins Tal gefunden hatten. Der Wald
lichtete sich und wich offenem Geröll, dass jedes Weiterkommen erschwerte und
ihnen so gut wie keinen Sichtschutz bot. Emma führte die anderen von Stein zu
Stein und versuchte möglichst unauffällig voranzukommen, was in der Gruppe fast
unmöglich war. Endlich hatten sie den Abstieg geschafft und traten wieder
zwischen Bäume, was Emma ein wenig Entspannung verschaffte und auch die anderen
sichtlich zu erleichtern schien. Die Stämme standen enger als Oben und sie
konnten sich ungesehen bis auf hundert Meter an die Ansammlung von Gebäuden
heranschleichen.
Nach einiger Zeit
gab Jack ein Zeichen. Sie hielten an und Emma schloss geduckt zu ihm auf.
„Ein
Vorposten", flüsterte er und deutete auf zwei Insani, die zwischen den
Bäumen herumlungern.
„Du nimmst den
Rechten", flüsterte sie zurück und schlich los. Jack erreichte den Mann,
ohne aufzufallen und auch Emma schafft es nah genug heran, um dem Insani eine
Hand auf den Mund zu legen. Sie stach mit dem Messer zu, bevor er Gelegenheit
hatte sich zu wehren und sah wie Jack es ihr gleich tat. Er verfehlte
allerdings den Hals des Mannes um wenige Milimeter und wurde zurückgestoßen. Emma
zog das Messer aus dem Hals des Toten und sprintete zu ihm. Der Insani wollte
gerade schreien, doch die Laute gingen in einem Gurgeln unter, als Emmas Klinge
unter dem Adamsapfel in seinen Hals eindrang.
„Was war das
denn?", fragte sie in Jacks Richtung, während sie ihr Messer vom Blut
säuberte.
Sein bleiches
Gesicht, war Antwort genug.
„Warum hast du
nicht gesagt, dass du das nicht kannst? Jeder hätte Verständnis dafür wenn du
..."
„Ach ja?
Verständnis wofür? Dass ich zum Töten nicht zu gebrauchen bin? Kurzes Update
Tammy, wer nicht tötet wird getötet, so ist das jetzt nunmal und scheiß die
Wand an, ich werde heute sicher nicht ins Graß beißen."
Emma nickte.
„Dann triffst du
das nächste Mal besser."
Jack lachte
trocken auf.
„Ach so, darauf
wäre ich gar nicht gekommen."
Es war gut zu
wissen, dass er seinen Sinn für Humor noch nicht verloren hatte, dachte Emma
und ging weiter.
Jack schloss
wieder zu Ihr auf und begann nach einer halben Minute Weg sich zögernd zu
entschuldigen.
„Hör zu Tami, ich
kann gut schießen, aber einen Hirsch auszunehmen ist etwas anderes als
kaltblütig Menschen abzustechen."
„Jack, du brauchst
dich nicht zu entschuldigen."
"Doch das
muss ich. Ich soll euch doch den Rücken gedeckt halten, wenn ihr da reingeht,
oder?. Aber im Nahkampf bin ich nicht wirklich zu gebrauchen also ..."
„Keine Sorge, ich
werde das nicht noch einmal von dir verlangen."
Jack nickte.
„Wo hast du
eigentlich gelernt so zu kämpfen? So mit Waffen umzugehen und so."
Emma zögerte kurz
beschloss dann aber, dass es nicht schaden konnte es ihm zu erzählen.
„Militärakademie
Thomson. Ich konnte meine Ausbildung nicht abschließen aber alles, was ich
nicht gelernt habe, hat mir die Erfahrung hier draußen beigebracht." Jack
nickte wieder, stellte allerdings keine weiteren Fragen. Dann wurden die Bäume
immer weniger und schließlich hatten sie die freie Fläche erreicht, auf der die
Ansammlung von Hütten stand, die den Insani als Unterschlupf diente. Emma sah
sich nach einer erhöhten Position um, von der aus Jack das Herrenhaus gut im
Blick hatte und sah einen alten Jägerhochstand, der noch einigermaßen intakt zu
sein schienen. Jack sah ihn zeitgleich und lächelte.
„Da werden
Erinnerungen wach", sagte er, doch Emma legte den Finger an die Lippen und
deutete auf den Hochstand. Ein Insani stand darin, schien sie allerdings noch
nicht entdeckt zu haben.
„Ich mache
das", flüsterte Emma und schlich im Schatten der Bäume näher. Vorsichtig
kletterte sie die Leiter hinauf und biss sich auf die Unterlippe, als eine der Stufen
verräterisch knarrte. Emma begann, schneller zu klettern und kurz bevor sie
oben angekommen war, steckte der Insani den Kopf durch die Luke. Sie nahmen die
letzten beiden Sprossen auf einmal und griff nach seiner Kleidung. Emma zog
daran, er verlor den Halt und riss sie mit herunter. Sie drehten sich während
dem Fall, und Emma landete auf ihm. Es knackte als der Insani auf dem Boden
aufkam, und er regte sich nicht mehr, als sie aufstand. Er musste sich beim
Sturz das Genick gebrochen haben.
Jack kam mit
Besorgnis im Blick angelaufen und in einigem Abstand folgten Silvia und
Desmond.
„Alles okay",
sagte Emma bevor die drei Fragen stellen konnten und machte einen eine
einladende Geste, in Richtung des Hochstandes.
„Der Ausguck ist
ganz ihrer Jack", sagte sie und begann dann den Toten ins Unterholz zu
ziehen. Jack half ihr und ging dann zum Hochstand hinüber. Bevor er nach den
Sprossen griff, reichte Emma ihm das Gewehr mit dem Scope und sagte:
„Ich will es
wieder haben, also pass gut darauf auf. Du schießt auf jeden der sich der
Scheune nähert, wenn wir erstmal im Haus sind, bin ich auf mich allein
gestellt, also denk gar nicht daran uns zu folgen."
Jack nickte, dann
verschwand er durch die Luke nach Oben und Emma wandte sich den beiden anderen
zu.
„Desmond, dir wird
das nicht gefallen, aber du bliebst hier und warnst uns mit einem Pfiff, wenn
zu viele von denen ins Haus gehen. Ich verlasse mich auf dich. Wenn alles
glattläuft, sind wir vor Sonnenuntergang zurück. Falls etwas anderes
unerwartetes passieren sollte warnst du uns ebenfalls mit einem Pfiff. Aber
komm nicht auf die Idee uns nachzugehen. Ich will, nicht dass einer von uns
unnötigerweise stirbt."
Desmond
protestierte zwar nicht, doch Emma merkte, dass ihm das ganze missfiel. Sie
wäre ja selber nicht glücklich darüber als einzige zurückzubleiben.
„Am besten
versteckst du dich zwischen den Bäumen."
Desmond nickte und
hockte sich zwschen zwei Birken, von wo aus er die Hütten im Blick hatte.
Emma musste
zugeben, das der Plan nicht perfekt war, aber etwas besseres war ihr auf die
Schnelle nicht eingefallen und sie hoffte einfach den Überraschungsmoment auf
ihrer Seite zu haben. Schließlich wandte sie sich Silvia zu.
„Du kommst mit
mir. Bereit?"
Die Frau
umklammerte so heftig die rostige Machete, dass ihre Fingerknöchel weiß
hervortraten, nickte jedoch und die Entschlossenheit in ihren Augen war noch
stärker geworden.
„Dann los!",
sagte sie nur und die beiden machten sich auf den Weg.
Bekannter Wahnsinn
Emma und Silvia,
bewegten sich gebückt vorwärts, sodass ihnen die hohen Gräser um das Anwesen
genug Schutz boten, ungesehen voranzukommen.
Es wogte und
säuselte um sie herum und weder Silvia noch Emma sprachen ein Wort, bis sie bei
der Scheune angekommen waren.
„Wie heißt
sie?", fragte Silvia plötzlich und Emma drehte sich erstaunt zu ihr um.
„Wer?"
„Deine Freundin.
Sie war bei den Insani, die Edmund entführt haben. Die Rothaarige,
richtig?"
Emma seufzte.
„Riley. Wissen die
anderen davon?"
Silvia zuckte die
Schultern.
„Ich weiß nicht,
vielleicht haben sie sie für eine von denen gehalten.
Aber ich erkenne
eine Schwangere, wenn ich sie sehe."
Emma bis die Zähne
aufeinander und versuchte die aufkommenden Gefühle zu unterdrücken.
Es gelang ihr
nicht.
„Wir hätten
fliehen sollen, an dem Abend wo ich die Hütte gefunden habe. Sie war voller
Leichen, aber ich dachte nicht, das sie noch in der Nähe sind.
Ich wollte, doch
nur dass sie sich noch ein Nacht ausruhen kann. Nur diese eine Nacht",
brach es aus ihr heraus.
Jetzt kamen die
Tränen, die sie die ganze Zeit so erfolgreich zurückgehalten hatte.
Ausgerechnet jetzt, wo Riley schon so nah war. Silvia nahm sie in den Arm, bis
die Tränen versiegten. Dann straffte Emma die Schultern und versuchte sich
wieder zusammenzureißen.
„Na komm",
ermunterte Silvia sie dann.
„Wir befreien die
beiden und dann stellst du mir deine Freundin vor, okay? Ich bin schon gespannt
sie kennenzulernen."
Emma nickte und
wischte sich das Gesicht trocken.
„Danke", mehr
brachte sie nicht heraus. Silvia ging um sie herum und späte an der Scheune
vorbei.
„Ich glaube der
Weg zur Hintertür ist frei."
Emma schniefte ein
letztes Mal, dann macht Silvia ihr Platz und Emma schaute ebenfalls um die
Ecke. Silvia hatte recht, zwischen ihnen und der niedrigen Treppe zur
Hintertür, waren keine Insani zu sehen. Auch sonst, war es eigenartig still um
sie herum.
„Das gefällt mir
nicht", murmelte Emma. Doch ihr blieb keine Zeit sich darüber Sorgen zu
machen, denn in diesem Moment vernahm sie die Schreie.
Sie kamen aus dem
Herrenhaus und waren gedämpft, als würden sie aus dem Keller zu ihnen empor
dringen. Man musste sie trotzdem bis zum Waldrand hören können.
Emmas Muskeln
verkrampfen sich und ein Kloß stieg in ihre Kehle. Es war eindeutig Rileys
Stimme. Sie hätte sie überall wiedererkannt. Auch jetzt, da sie von Schmerzen
verzerrt war. Emma lief los, bevor Silvia sie aufhalten konnte und die Frau
folgt ihr wohl oder übel. Emma erreichte die Hintertür und zog Messer und
Pistole, dann drückte sie das knarzende Holz, langsam nach innen. Die Tür war
offen und jetzt war Emma sich fast sicher, dass sie in eine Falle liefen. Es
war ihr egal. Rileys Schreie erreichten ein Crescendo und brachen dann erstickt
ab. Sie kamen eindeutig aus dem Keller und Emma späte den Gang entlang der
hinter der Tür lag. Auch hier war niemand zu sehen doch Emma schlich weiter.
Sie hörte wie Silvia ihr folgte und die Tür leise hinter ihnen schloss.
An den Wänden
hingen alte Ölgemälde und verstaubte Teller, doch Emma nahm die Einrichtung
kaum wahr. Sie bog nach links ab und erspähte am Ende des Ganges eine Treppe,
die nach oben führte. Sie war mit grauem Teppich versehen, wie auch der Gang.
Rechts davon, führte ein weiterer Flur tiefer ins Haus. Emma bog ab und stand
kurze Zeit später, in der ausladenden Empfangshalle des Herrenhauses. Zwei
Treppen führten ins Obergeschoss, eine über dem Gang aus dem sie gekommen war,
eine ihr gegenüber auf der anderen Seite der Halle. Unter der Balustrade, auf
welcher die Stufen zusammen führten, stand ein Tisch. Er war mit Tellern und Tassen
gedeckt und in den feinen Porzellantassen, dampfte ein heißes Getränk.
Am Tisch saß der
Cowboy und führte gerade die Tasse zum Mund. Er pustet, nahm einen Schluck und
stellte sie dann wieder auf dem Unterteller ab. Er sah Emma an, die erst gar
nicht versucht sich zu verstecken und lächelte.
„Du musst Emma
sein. Was für eine Freude dich endlich zu treffen. Deine Freundin hat mir viel
von dir erzählt. Willkommen in meinem bescheidenen Heim!"
Emma trat mit
erhobener Waffe weiter ins Zimmer. Die ganze Situation war so bizarr, dass sie
fast vergessen hätte, warum sie hier war. In alten Zeiten, hätte man sich jetzt
wohl zum Kaffeetrinken gesetzt und höfliche Begrüßungen ausgetauscht, aber die
Schreie ihrer Freundin klangen Emma immer noch in den Ohren und sie
unterschätzte nicht eine Sekunde die Gefahr, die von diesem Mann ausgehen
musste. Der Cowboy, hatte langes, glänzend-schwarzes Haar und einen Schnauzer,
der ihn fast freundlich wirken ließ. Wären da nicht die stechend blauen Augen
gewesen, die Emma einen Schauer über den Rücken jagten.
„Was hast du mit
ihr gemacht", wollte sie wissen und der Cowboy nahm noch einen Schluck
Kaffee bevor er antwortete. „Oh, die viel spannendere Frage ist doch, was wir
noch nicht alles mit ihr gemacht haben."
Er redete nicht
wie die anderen Insani und doch lag etwas in seinem Tonfall, dass wie
Belustigung und Schadenfreude zugleich klang.
„Wir haben sie
noch nicht getötet, falls du dir darüber Sorgen machst."
Jetzt nahm Emma
Bewegungen, auf der Balustrade über ihr, war.
Dort stand eine
ganze Reihe Männer, ihre Gewehre auf sie gerichtet. Der Cowboy wedelte mit der
Hand.
„Beachte sie gar
nicht, nur eine kleine Vorsichtsmaßnahme. Setz dich, ich habe viel mit dir zu
bereden."
Emma machte keine
Anstalten seiner Aufforderung zu folgen und beäugte misstrauisch die Insani auf
den oberen Rängen. Der Cowboy seufzte. „Wenn sie dir so große Sorgen machen,
leg doch die Waffe weg Kind. Dann weise ich sie an nicht mehr auf dich zu
zielen. Emma zögerte kurz. Ihr Verstand sagt ihr zwar, dass er die Insani unter
Kontrolle hatte, ihr Bauchgefühl jedoch etwas ganz anderes.
„Lauf weg",
schrie es. Emma ignorierte die Warnun. Langsam ließ sie die Waffen sinken und
trat an den Tisch.
Sie ließ die
Pistole auf das Porzellan fallen und sah zu wie das Geschirr zersprang, das
Messer behielt sie in der Hand. Schwarze Flüssigkeit breitete sich über das
weiße Tischtuch aus. Emma mochte keinen Kaffee, er schmeckt ihr einfach nicht.
„Nehmt die Waffen
runter", befahl der Anführer der Insani und tatsächlich folgten die Männer
auf der Balustrade seinen Anordnungen. Emma hätte es nicht für möglich
gehalten, wenn sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte.
„Warum gehorchen
sie dir? Du bist keiner von ihnen und ich habe noch nie erlebt, dass sie so
zusammenarbeiten."
Emma wusste, dass
er keiner von ihnen war und doch wartete sie immer noch darauf, dass er im
nächsten Moment aufsprang und sich teuflisch gebar, wie alle Insani. Sie war es
gewohnt, dass sie übereinander herfielen, nur dann geeint, wenn ein gemeinsamer
Feind vor ihnen stand. Das hier war ganz und gar ungewöhnlich.
„Nun sie sind
immer noch Menschen", hob der Cowboy an.
„Auch wenn viele
das nicht wahrhaben wollen und selbst sie, ...", er machte eine Kunstpause
und schloss dann mit einem einzelnen Wort:
„wollen."
Emma runzelte die
Stirn.
„Natürlich wollen
sie. Am liebsten Verstümmeln, Töten und Zerfleischen, zumindest nach meinen
Erfahrungen."
„Siehst du!"
Der Cowboy hob
triumphierend den Zeigefinger.
„Und da liegt der
Hund im Pfeffer begraben, oder wie auch immer man sagt. Finde heraus was die
Menschen wollen und sie fressen dir aus der Hand.
Du wolltest deine
Freundin befreien und ich wollte euch beide hier haben, also brachte ich Riley
her. Eine Win-win-Situation findest du nicht?"
Emma verzog das
Gesicht.
„Für deine neuen
Freunde gilt übrigens das Gleiche. Schade, dass du sie nicht mitgebracht hast.
Anscheinend habe ich die gute Silvia falsch eingeschätzt."
Emma sah sich zur
Tür unter der Treppe um. Stimmt, wo war eigentlich Silvia?
Der Cowboy hatte
ihren Blick bemerkt und lächelte verzückt.
„Sie sind also
doch hier. Was für eine Freude."
Er klatschte in
die Hände und beugte sich vor.
„Ihr lieben, komm
doch zu uns", rief er dann und als nichts geschah:
„Sucht Sie, stellt
das ganze Haus auf den Kopf, aber bringt sie mir lebend."
Ein Geräusch kam
von der Balustrade wie das Fiepen von Ratten.
Die Insani setzten
sich in Bewegung und nur zwei von ihnen blieben auf der Ballustrade zurück.
Emma überlegte, ob
sie schnell genug war, um ihre Waffe zu greifen, bevor die Männer auf der
Balustrade sie erschießen konnten. Ihre Chancen standen fünfzig zu fünfzig,
vermutete sie. Vielleicht auch ein bisschen besser, da der Cowboy sie
anscheinend lebend haben wollte.
Was hatte er
gesagt?
„Gib den Menschen
was sie wollen und sie fressen dir aus der Hand."
Vielleicht war es
Zeit herauszufinden, was der Cowboy eigentlich von ihr wollte. Doch sie kam
nicht dazu, die Frage zu stellen, denn der Anführer der Insani sprach bereits
weiter.
„Also, wo waren
wir? Ach ja! Was meine Freunde wollen. Nun ja du hast natürlich recht, zuerst
einmal Töten, Zerfleischen und dergleichen, aber wieso eigentlich? Und die viel
wichtigere Frage: Was zerfleischen sie am liebsten?"
Emma schluckte.
Ihr gefiel gar nicht in welche Richtung sich das Gespräch entwickelte.
"Du hast
gesehen, was wir in der Hütte zurückgelassen haben, also nehme ich an du weißt
es, richtig?"
Die Stille der
Pause war ohrenbetäubend. „Kinder!"
Das ließ er erst
einmal so stehen und jetzt setzte Emma sich doch. Besser gesagt, pumpste sie in
den Stuhl, dem Anführer gegenüber.
Sie fuhr sich mit
den Händen durchs Haar. Der Cowboy war eindeutig wahnsinnig.
Nicht wie die
Insani, nicht wie "seine Freunde", wie er sie nannte.
Nicht wahnsinnig
durch die Stimmen, sondern das ganz altmodische, Wansinnig durch Wahnsinn.
Er sorgte für
Nachschub, deswegen fraßen die Insani ihm aus der Hand. „Und damit, kommen wir
auch schon zum wichtigsten Teil. Schau, es wird immer schwerer ihnen das zu
liefern, was sie bei der Stange hält und langsam tanzen mir diese Strolche auf
der Nase herum. Wir haben den kleinen Edmund, sicher, aber auch er wird nicht
lange herhalten. Es sind einfach zu viele von ihnen. Ich brauche eine
langfristige Lösung für mein Problem.
Was wir brauchen
... „, er machte wieder eine Pause.
„und da kommt ihr
ins Spiel", er deutete auf Emma und dann einmal kreisrund durch die Halle.
", du, Silvia
und deine Freundinn Riley."
Emma graute bei
der dunklen Vorahnung die sie jetzt durchflutete,
„ist stetigen
Nachschub", schloss er.
„Das
allerwichtigste ist die Hilfe beim Entbinden. Was nützt mir schon ein toter
Fötus."
Emma konnte es
nicht fassen.
Wie gelassen er
bei dieser Aussage blieb.
Sie sackte etwas
in sich zusammen.
Wo waren sie da
nur hineingeraten?
Emma stand mit
wackligen Beinen auf und starrte den Cowboy entgeistert an.
„Also? Was sagst
du meine Liebe?"
Emma straffte die
Schultern und musste lachen, ein Lachen, der Absurdität seines Vorschlags
geschuldet, kurz und trocken.
„Niemals",
stieß sie dann hervor.
„Ihr wollt, dass
wir euch Kinder gebären? Sie selbst entbinden und dann tatenlos dabei zusehen
wie ihr sie der Reihe nach foltert und ermordet? Ich dachte bereits, das
schlimmste, Menschen erdenkliche erlebt zu haben, aber das übertrifft alles.
Wie kommt ihr überhaupt darauf, dass irgendeine Frau da mitmachen würde?"
Der Cowboy seufzte und griff nach der Kanne um sich Kaffee nachzuschenken. Er
wollte gerade antworten, doch Emma war noch nicht fertig.
„Und wofür das
ganze? Damit ihr in eurer Villa sitzen könnt, Kaffee trinkt und euch als Gott
über diese Insani aufspielen dürft? Ihr seid ganz eindeutig wahnsinnig."
Das schien den
Cowboy doch sichtlich zu verärgern. Er stellte die Tasse so energisch ab, dass
Kaffee überschwappte. Dann beugte er sich vor und seine Augen wurden zu
Schlitzen. Seine Stimme war nur noch ein Zischen:
„Nenn einen
wirklich Wahnsinnigen niemals wahnsinnig, er könnte auf dumme Gedanken
kommen."
Dann wurde seine
Stimme wieder sanfter und erneut breitete sich dieses viel zu nette Lächeln auf
seinem Gesicht aus.
„Es gibt noch ein
anderes Geheimrezept, um Menschen dazu zu bringen, dass zu tun was man von
ihnen will. Es nennt sich Zuckerbrot und Peitsche. Das Zuckerbrot habe ich bereits
versucht", und er deutete auf den gedeckten Tisch.
„Die Peitsche
wiederum, kann die süße Riley das Leben kosten und dich den Verstand. Denn du
würdestt dabei zusehen, wie wir sie langsam zu Tode foltern. Es wäre natürlich
schade um die kleine Rothaarige, aber eine Zuchtstute ist besser als keine, wie
mein Vater, Gott erbarme sich seiner Seele, immer gesagt hat. Es wäre zudem
auch viel aufwendiger und ich würden keinen großen Spaß dabei haben, auch wenn
du bestimmt bereits anderes von mir denkst."
Emma hatte genug
von all dem. Außerdem hatte sie mittlerweile entdeckt, dass die Treppe hinter
dem Cowboy, nach unten zu führen schien, in den Keller.
In dem Moment, wo
sie nach Vorne hechten wollte, kam von oben ein Geräusch. Auf der Balustrade
tat sich etwas.
„Was ist ..."
Weiter kam der
Wahnsinnige nicht, der sich als Cowboy verkleidet hatte. Er wollte sich gerade,
immer noch mit Kaffeetasse in der Hand, seinen Männern zuwenden, als Etwas oder
besser gesagt Jemand, über das Geländer der Balustrade segelte.
Dann kracht einer
der Insani auf den Kaffeetisch und begrub das Porzellan unter sich. Das Holz
barst und Emmas Waffe ging darunter verloren. Silvia tauchte am Geländer auf
und rief etwas. Dann wurde sie nach hinten gerissen, doch Emma hatte nur noch
Riley im Kopf. Außerdem hatte sie auch ohne Silvias Worte verstanden, dass dies
ihre einzige Gelegenheit sein würde. Bevor der Cowboy sich wieder gefasst
hatte, sprang Emma über die Reste des Kaffeetisches und rammte ihm den
Ellenbogen vor die Brust. Alle Luft wich hörbar aus seinen Lungen, er ging zu
Boden und Emma setzte über ihn hinweg Richtung Treppe.
Echter Glückstreffer
Riley
erwachte von einem besonders starken Boxer des Lebewesens, dass da in ihr immer
kräftiger wurde. Jeden Tag merkte sie, wie es größer wurde, stärker und
lebhafter. Sie war sich inzwischen sicher, dass es ein Junge werden würde. Sie
wusste es einfach.
"Ich
weiß. Ich ja auch.", raunte sie ihrem Bauch zu.
"Aber
glaub ja nicht, dass es jetzt jeden Morgen Schokolade zum Frühstück gibt."
Sie wandte sich vorsichtig aus Emmas Umarmung. Sie wollte sie nicht wecken,
musste aber lächeln, als sie sie so friedlich schlafen sah. Es war der einzige
Moment, in dem nicht der Schatten auf ihrem Gesicht lag, den Riley so gerne von
ihrer Seele genommen hätte. Er begleitete ihre Freundin, seitdem sie aus dem
Fort geflohen waren. Damals, als ihre kleine heile Welt zusammengebrochen war.
Seitdem schlug er immer tiefere Wurzeln in Emmas Herz, das spürte Riley. Ihre
ehemals so herzliche Freundin war kalt geworden, auch wenn sie es vor Riley zu
verstecken versuchte. Doch dafür kannten sie sich bereits zu lange. Sie waren
seit jeher beste Freundinnen gewesen und seit gestern Abend ... Nun ja, sie
wusste es selber noch nicht so genau. Wenn sie an ihren Kuss von letzter Nacht
dachte, schlug ihr Herz einen Purzelbaum. Riley machte sich über die Schokolade
her, ließ allerdings extra einen Riegel für Emma übrig und verstaute ihn wieder
in ihrem Rucksack. Dann schlich sie aus der Höhle Richtung Fluss.
Sie
wusch sich Gesicht und Hände und vernahm dann ein leises Knacken von der
anderen Seite des Wassers. Ihr gegenüber stand ein kleiner Junge nicht älter
als zwölf und starrte sie an. Seine braunen Haare fielen ihm in die Stirn. Dann
weiteten sich seine Augen und er machte kehrt, rannte so schnell die Böschung
hinauf, wie ihn seine kleinen Beine tragen konnten.
"Hey.",
rief sie ihm hinterher.
"Ich
tue dir doch nichts."
Dann
sah sie, wovor der kleine Angst wirklich Angst gehabt hatte.
Ein
Schatten fiel auf das Laub um sie herum und im nächsten Moment drückte jemand
ihr die stinkende Hand auf den Mund. Sie wollte schreien, beißen, um sich
schlagen, doch der Mann hinter ihr drehte Riley den Arm auf den Rücken und war
zudem stärker als sie. Emma hatte ihr zwar beigebracht, wie man sich aus
allerlei Griffen befreite, doch in ihrer Panik wollte keiner der Tricks ihr
mehr einfallen.
"Still,
leise, ohne Hasst, ist doch Spiel, ist doch Spaß.", säuselte es in ihr Ohr
und Riley versuchte nach hinten auszutreten. Sie traf etwas, doch hinter ihr
kicherte es nur und sie merkte, dass es ein Baumstumpf gewesen war. Dann wurde
sie zur Seite gerissen und ein Mann trat in ihr Blickfeld. Er trug einen
Cowboyhut und lächelte sie freundlich an.
"Oh,
wen haben wir denn da? Ein echter Glückstreffer will ich meinen."
Riley
runzelte die Stirn, er sah gar nicht aus wie die Insani sonst. Er wirkte
zivilisiert und freundlich, doch das Glitzern in seinen stechend blauen Augen
war ihr unheimlich.
"Fesselt
sie. Und ihr drei schaut euch die Höhle an. Vielleicht findet ihr ja noch
Vorräte."
Jetzt
bemerkte Riley, dass überall im Wald Gestalten herum schlichen und mehr als
drei Insani sie umringten. Sie wurde gefesselt und geknebelt und gab dumpfe
Laute von sich, als sie die Insani unsanft in Richtung Wald zogen. Der Mann mit
dem Cowboyhut folgte ihnen und lächelte immer noch dieses erschreckend nette
Lächeln.
Als
sie keine zwanzig Meter im Wald waren, jedoch bereits so weit, dass man die
Höhle nicht mehr sah, fielen Schüsse. Rileys Herz zog sich zusammen.
Wenn
sie bis jetzt Angst gehabt hatte, kam jetzt auch noch Verzweiflung hinzu. War
das Emma oder die Insani, die da schossen? Der Mann mit dem Cowboyhut nahm dem
Insani die Stricke ab, an denen er Riley führte und zog ein großes langes
Messer. Riley wurde bleich. Was hatte er vor? Der Mann mit dem Cowboyhut setzte
die Spitze des Messers auf ihren Bauch und blickte ihr direkt in die Augen.
"Ich
nehme dir jetzt den Knebel ab, du sagst mir, wer da oben ist, und hüte dich
davor, mehr zu sagen oder lauter zu sprechen als nötig. Es wäre sehr schade
darum, aber glaube nicht ich hätte Skrupel, dass Kind in deinem Bauch zu
töten."
Sie
nickte und der Kleine in ihr trat um sich. Ihr wurde fast schlecht vor Angst.
Dieser als Cowboy verkleidete Irre war genauso verrückt wie seine Leute, da war
sie sich sicher. Sie hatte keine Zweifel, dass er jedes Wort ernst meinte. Er
nahm ihr den Knebel aus dem Mund und erst brachte sie kein Wort heraus. Dann
nahmen sie all ihren Mut zusammen und sagte:
"Meine
Freundin, das ist meine Freundin Emma.", und weil ihre Stimme nicht ganz
so kläglich klang, wie sie sich fühlte, fügte sie hinzu:
"Und
wenn ihr mich nicht sofort gehen lasst, wird sie euch alle töten."
Der
Mann mit dem Cowboyhut grinste hämisch und schob ihr wieder den Knebel in den
Mund.
"Darauf
verlasse ich mich.", sagte er nur und zog Riley tiefer in den Wald hinein.
Dabei sagte er zu einem der Insani, die ihn immer noch folgten:
"Sorgt
dafür, dass sie sich zurückziehen. Und dann besorgen wir uns noch den
Jungen."
Nahender Wahnsinn
Sie
liefen nicht allzu lange, doch die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als sie
eine kleine Holzhütte erreichten. Es musste die Hütte sein, in der Emma gestern
die Schokolade gefunden hatte. Riley war froh, als sie zügig daran vorbei gingen.
Plötzlich blieb der Cowboy stehen und legte den Kopf in den Nacken. Auch die
beiden Insani mussten plötzlich Grinsen und einige johlten sogar. Dann spürte
Riley es auch. Stimmen. Manche laut, manche leise, doch alle ganz klar, nicht
natürlich. Sie verdrängten jeden Gedanken aus ihrem Kopf und brachte alte
verdrängte Bilder an die Oberfläche. Erst nur die Nonnen mit den Stöcken, dann
die Leichenberge am Fort. Schwarzer Rauch stieg von ihnen empor und Krähen
pickten an glasigen Augen. Dann die Insani, wie sie Cady an den Haan zerrten,
ihre Schreie und die Blutlache die unter der Tür hervor quoll. Riley wollte
schreien, wegrennen, bloß weg von diesem Stimmen, die immer mehr Bilder
erschufen. Dinge, die sie gar nicht so erlebt hatte:
Insani
die mit Leichenbeinen auf Cady einprügelten. Dann Emma...
Nein,
das war zu viel. Sie riss sich los und rannte. Sie rannte und rannte, bis
wieder Ruhe in ihren Kopf einkehrte. Riley fiel erschöpft zu Boden. Sie merkte,
dass sie weinte, und wischte sich Tränen und Haare aus dem Gesicht. Der Mann
mit dem Cowboyhut trat neben sie und reichte ihr ein Taschentuch.
"Lerne,
es auszuhalten, dann macht es dich stärker.", sagt er zu Riley und
wartete, bis sie sich die Nase geputzt hatte.
Einer
der Insani, die vor ihnen gegangen waren, kam durch die Bäume auf sie zu.
"Der Junge, klein, fein, hatt Sorgen dabei." Stieß er außer Atem
hervor. Der Anführer mit dem Cowboyhut schien sofort zu verstehen, was der
Ankömmling meinte und wandte sich zu den anderen um. "Schnell jetzt,
schnappt euch den Jungen, aber lasst die Frau am Leben. Was mit dem anderen
passiert, ist mir egal."
Die
Insani bewegten sich leise fort und der Mann mit dem Cowboyhut ließ sie in
Obhut zweier Männer, die mit ihr bis zum Rand einer Lichtung gingen, auf der
die Frau, der Junge und die anderen sich scheinbar aufhielten. Dann sah sie
sie. Es war der Junge vom Fluss, zwei Männer, einer mit grüner Jeans und Weste
und der andere in lederner Kleidung und einem Pullover. Die Frau war etwas
älter als Riley und trug ebenfalls Leder. Riley wollte rufen, um die vier zu
warnen, bekam durch den Knebel aber nur ein undeutliches Brummen hervor. Der
Insani neben ihr warf sie unsanft auf den Boden und trat nach ihr. Sie schaffte
es, die Beine anzuziehen, sodass er nur ihr Schienbein erwischte. Es trat
trotzdem weh und sie sog scharf die Luft ein. Zumindest versuchte sie es,
verschluckte sich jedoch am Knebel und begann zu husten. Doch es verschaffte
ihr endlich die Aufmerksamkeit der Leute auf der Lichtung. Jetzt kam Bewegung
in die Gruppe. Riley sah nicht mehr was geschah, denn der Insani neben ihr trat
sie erneut und diesmal traf er ins Schwarze.
Riley
hatte verfolgen wollen, was auf der Lichtung geschah und so erwischte er sie
mit voller Härte im Bauch. Ihr Kopf wurde nach hinten gerissen und krachte
unsanft gegen einen Baumstumpf. Ihr wurde schwarz vor Augen und als sie wieder
aufwachte, war es schon fast dunkel geworden. Die Sonne hatte sich bereits
hinter den Horizont zurückgezogen und ein einzelner roter Streifen Licht hing
noch zwischen den Bäumen. Er schwankte auf und ab und die Welt stand kopf.
Einer der Insani trug sie und ihr Nacken schmerzte fürchterlich. Sie stöhnte
durch den Knebel hindurch und der Mann mit dem Cowboyhut, der direkt neben ihr
lief, wandte sich um, als er merkte, dass sie aufgewacht war.
"Da
hast du uns ja fast die Tour vermasselt", sagte er und sah sie tadelnd an.
Dann seufzte er und schob sich den Hut aus der Stirn.
"Du
kannst von Glück reden, dass ich heute so gute Laune habe. Außerdem waren deine
Bemühungen umsonst."
Riley
sah sich um und tatsächlich:
Einige
Meter von ihr entfernt lief der braunhaarige Junge wie sie gefesselt und
geknebelt zwischen zwei der Insani. Sie konnte sein Gesicht nicht sehen, aber
seine kleinen Arme zitterten vor Angst. Dann plötzlich lichteten sich die Bäume
und sie standen vor einer Ansammlung von Hütten. In der Mitte stand ein großes
Herrenhaus mit bunten Holzfenstern und einer blauen Tür. Dahinter erhob sich
eine Scheune von wogenden Feldern umgeben, die im letzten Licht des Tages
gold-rot leuchteten.
Vor
einer der Hütten stand ein Insani mit zerrissenen Kleidern und einem Beil in
der Hand. Er zerteilte menschliche Gebeine und grinste sie an, als sie vorbei
getragen wurde. Fliegen summten um seinen Kopf und Riley wandte sich angewidert
ab. Der Junge konnte den Blick allerdings nicht abwenden und jetzt sah Riley
die Panik in seinen Augen. Sie wurde ins Haus getragen und schnell bildete sich
eine Traube Insani um sie. Der Gestank ihrer ungewaschenen Leiber lag wie eine
Wolke um sie und dann Vertrieb der Mann mit dem Cowboyhut die Männer mit einer
Handbewegung, als würde er lästige Fliegen vertreiben. Die Insani verstreuten
sich und der Anführer mit dem breitkrempigen Hut zog Riley auf die Beine. Der
Junge wurde gerade von seinen Führern ins Herrenhaus geschubst und stolperte
neben sie. Der Mann mit dem Cowboyhut löste ihre Knebel und Riley spuckte das
nasse Tuch angewidert auf den Boden. Sie atmete, erleichtert die erstaunlich
frische Luft im Haus und sah sich um. Der Boden der Eingangshalle war mit
dunklen Teppichen ausgelegt und an den Wänden hingen Porträts von Bauern und
Bäuerinnen, alle in altmodischer Western-Kluft. Sie blickten alle todernst
dreien bis auf eine Frau mit lederner Cowboy-Weste und leuchtend blondem Haar.
Der Mann, der neben ihr hing, hatte einen Schnäuzer wie der Cowboy neben Riley
und seine wässrig blauen Augen starten Sie durchdringend an.
"Mein
Vater und meine Mutter.", erklärte der Anführer und deutete auf die
Gemälde.
"Gute
Menschen. Gott habe sie selig. Gute Menschen, meine Liebe."
Er
beteuerte es fast so, als ob er sich selbst davon überzeugen müsste. Dann
wandte er sich an die zwei Insani, die den Jungen hereingebracht hatten, und
schob den Kleinen wieder in ihre Richtung.
"Bringt
ihn ins Gästezimmer, wir fangen mit der hier an."
Damit
griffe er Rileys Arm und zog sie in Richtung der Treppe, die unter der
hölzernen Balustrade nach unten führte. Ein mulmiges Gefühl stieg in ihr empor
und der Kleine in ihrem Bauch begann zu rebellieren. Er hieb mit den kleinen Fäusten
gegen die Innenseite ihres Bauches, spürte scheinbar, dass etwas nicht stimmte.
Oder aber er hatte einfach wieder Hunger. Sie hoffte auf Letzteres, während sie
langsam die dunkle Treppe hinab geführt wurde, die in den modrig riechenden
Keller führte. Der Keller war wie der Gegenpart zum ordentlich eingerichteten
Rest des Hauses. Spinnenweben hingen in den dunklen Ecken und Wasser tropfte
von der Decke. Es roch nach Urin und Rauch und vielem mehr, dass Riley gar
nicht identifizieren wollte. Auf dem Boden standen Blecheimer verteilt, in
denen dunkle Flüssigkeit stand. In manchen davon schwammen Eingeweide und dann
traf Riley der Blutgeruch. Schwer und diesig lag er in der Luft und überdeckte
alles, was sie gerade noch gerochen hatte. Der hintere Teil des Kellers war mit
schweren Eisengittern abgetrennt, die in der Mitte mit einer schweren, in
Eisenrahmen hängenden Doppeltür versehen waren.
Davor,
an der Wand, stand ein schmaler Holztisch, auf dem Werkzeuge verteilt lagen.
Beile, lange Messer und Zangen lagen unter verstreuten Nägeln, Drähten und
langen Rundeisen, die zu Schlaufen gebogen waren. Von der Decke daneben hingen
lange Ketten mit Eisen am Ende, die ganz danach aussahen, als würden ihre
Handgelenke hervorragend hineinpassen. Riley schauderte und das mulmige Gefühl
in ihrem Bauch wurde zu einer erdrückenden Übelkeit. Der Kleine hatte das Boxen
aufgegeben, doch sie spürte, wie er sich jetzt anscheinend ebenso unwohl wie
sie hin und her wälzte. Eine Tür gegenüber des kleinen Tisches schienen in einen
weiteren Keller zu führen. Der Mann mit dem Cowboyhut machte sich an den Ketten
zu schaffen und löste dann Rileys Fesseln. Er deutete auf die Ketten und zog
dann zwei Hocker unter dem Tisch hervor. "Ich denke, die brauchen wir
vorerst nicht. Es sei denn, du stellst dich nicht besonders klug an. Doch du
scheinst mir ein vernünftiges Mädchen zu sein, also ...", Er bedeutete ihr
Platz zu nehmen und setzte sich auf den Hocker ihr gegenüber. Riley atmete
erleichtert auf bei seinen Worten und setzte sich ihm gegenüber.
"Na
dann ...", begann ihr Gegenüber.
"Was
verschlägt zwei Mädchen wie euch so weit in den Süden?"
Dann
erzählte ihm Riley die ganze Geschichte stets mit einem Auge auf die schweren
Ketten.
Sicheres Fort.
"Es geschah
im kältesten Winter, den die Bewohner des Fort je erlebt hatten und einige von
ihnen lebten bereits ihr ganzes Leben dort.", begann Riley.
Sie und Emma waren
ein halbes Jahr zuvor angekommen und an Tag Null beinah von verrückten Nonnen
getötet worden. Heilfroh einen einigermaßen sicheren Ort erreicht zu haben
kamen sie im Fort an. Emma hatte sie und die Gruppe Weißenkinder erst zur
Militärakademie gebracht, doch die Hallen und Trainingsplätze waren verlassen
gewesen. Sie hatten sich den Winter über in den Räumen der Akademie verbarrikadiert,
doch nachdem sie einen Keller voller Leichen und Stimmen gefunden hatten, waren
sie einstimmig weitergezogen. Die Gruppe bestand damals noch aus den zwei
Mädchen und drei draufgängerisch Jungs, die sich gerne als Anführer der kleinen
Gruppe aufspielten, obwohl die Mädchen die ganze Arbeit verrichten. Doch dann
kamen sie im Fort an und plötzlich übernahmen die Erwachsenen wieder. James
gefiel das gar nicht. Der Anführer der drei Jungs war seiner Macht beraubt
worden und stänkerte solange bis selbst die Verantwortlichen im Fort ihn nicht
mehr aushielten. Sie machten ihm eine gehörige Ansprache und als Antwort darauf
brach er ins Waffenlager ein. Er sprengte, ausversehen wie er im Nachhinein
beteuerte, die Pferdeställe in die Luft und floh des Nachts im Nebel. Zum Glück
wurde keiner verletzt, aber vier der Pferde starben und eigentlich wäre die
Sache damit erledigt gewesen, wenn da nicht Erik und seine Freundin gewesen
wäre. Er und Kady kümmern sich um die Tiere und waren außer sich. Sie
verfolgten den Jungen und fanden ihn nach einigen Tagen, fünfzig Kilometer
außerhalb des Fort, fast verhungert und beinah erfrohen.
An dieser Stelle
macht Riley eine Pause und wider Erwartend ließ der Cowboy ihr Zeit ihre
Gedanken zu ordnen.
"Wir
erkannten die Anzeichen nicht. Die meisten Bewohner des Fort haben ihr Leben
lang hinter den sicheren Barrikaden verbracht und kaum mitbekommen wie draußen
alles den Bach runter ging. Wir hatten keine Ahnung was mit James los war und
Emma... Naja Emma hat den Menschen vertraut. Sie hatte James besser leiden
können als wir und er hatte diese Art zu reden, die einen dazu brachte alles
für ihn zu tun. Doch James war nicht mehr derselbe. Erst schwieg er nur und
alle dachten es täte ihm leid, was er getan hatte. Dann fingen die Schreie an,
des Nachts.
Er hat uns
regelmäßig aufgeweckt und dann stundenlang geweint. Es ging viel langsamer als
ich es seitdem je wieder erlebt habe. Emma saß fast durchgehend an seinem Bett
und hat ihn getröstet. Die Nonnen waren über Nacht verrückt geworden, aber bei
ihm dauert es Wochen. Eines Nachts, hat es dann wieder gebrannt. Diesmal waren
es Wohnhäuser und wir dachten ein Feuer hätte übergegriffen, denn es war
bereits so kalt, dass wir sie die Nacht über brennen ließen. Ich war damals
bereits im sechsten Monat. Ward, mit dem ich damals zusammen war, hat mich zu
sich ins Haus geholt und so waren Emma und James alleine, als er sie
schließlich darum gebeten hat ihn aus dem Fort zu schmuggeln. Wie gesagt,
damals vertraute sie den Menschen noch und so gab sie ihm Waffen mit. Ich denke
sie war zu der Zeit sehr einsam, denn sie brachte ihn bis vor das Fort und wäre
wahrscheinlich sogar mitgekommen.
Doch soweit kam es
gar nicht."
Riley legte erneut
eine kurze Pause ein und schluckte. Ihr Mund war trocken, doch sie wagte es
nicht nach einem Glas Wasser zu fragen.
"Sie hat nie
erzählt was außerhalb des Fort passiert ist, aber ich glaube er hat sie
überrumpelt und niedergeschlagen, denn als die Insani einfielen, war sie nicht
da. Es war immer noch Nacht und die Horde war riesig. Wir hatten keine Chance.
Trotzdem wollte Warf kämpfen. Also hat er mich, die Frauen und Kinder in der
Scheune versteckt. Dann sind die Männer mit allem was uns an Waffen zur
Verfügung stand los. Ich weiß bis heute nicht was mit ihm passiert ist und wir
saßen bis zum Morgengrauen zwischen den Heuballen versteckt. Wir haben die
ganze Nacht gewartet, dass es vorbei ist. Es waren bloß Nachzügler die die
Scheune angesteckt haben aber der Rauch trieb uns nach Draußen. Überall waren Leichenberge
und sie hatten eine wahnsinnige Freude dabei uns durch die brennenden Hütten zu
jagen. Kady haben sie gevierteilt und auf Spieße gesteckt und die
Kinder..."
Riley brach ab,
suchte nach den richtigen Worten, falls es die überhaupt gab.
"Ich kann es
mir vorstellen.", schob der Cowboyhut ein und Riley meinte fast so etwas
wie Mitleid in seiner Stimme zu hören. Dann fuhr sie fort.
"Plötzlich
tauchte Emma auf und den Ausdruck in ihrem blutverschmierten Gesicht werde ich
nie vergessen. Sie tötete die meisten der Nachzügler und den letzten der nicht
fliehen wollte, prügelte sie zu Tode. Da war nichts mehr von dem in ihrem
Gesicht, was sie einst ausgemacht hat. Nur noch blanker Hass. Ich weiß nicht ob
noch andere überlebt haben, aber seitdem sind wir nur noch unterwegs gewesen.
Meistens aus Angst vor Insani. Oft dachte ich auch sie konnte einfach nicht
lange an einem Ort bleiben. Vielleicht hoffte sie, vor ihren Gefühlen
davonlaufen zu können, aber es hat uns nie wieder ganz losgelassen."
Als sie geendet
hatte, schwieg sie und auch der Cowboy, sagte lange Zeit nichts. Riley fragte
sich, was jetzt geschehen würde und ihre Geschichte hatte sie daran erinnert
was sie schon alles durchgemacht hatten. Was konnte schon schlimmeres geschehen
als das?
Doch als der
Cowboy schließlich aufstand und nach den Eisen griff, fragte sie sich, ob es
nicht doch noch Etwas gab.
"Du musst
jetzt sehr stark sein kleine Riley. Halt dich nicht zu sehr an den Dingen fest,
dann wird es einfacher."
Sie verstand
nicht.
"Ich dachte
die brauchen wir nicht?", sagte sie und deutete auf die Ketten
Der Anführer der
Insani seufzte und befestigt ihre Hände an den Eisen.
"Es tut mir
leid, aber solange du du bist, wirst du uns nicht helfen."
Sie verstand es
immer noch nicht, als sie mit den Händen über den Kopf gefesselt wurde. Erst
als die Tür ihr gegenüber geöffnet wurde, bekam sie eine Ahnung. Der Mann mit
dem Cowboyhut sah ein letztes Mal zurück, bevor er die Treppe empor stieg.
"Es wird
besser werden.", sagte er nur. Dann war er verschwunden und Riley war mit
den Stimmen allein.
Wunderbare Welt
Emma nahm immer
zwei Stufen auf einmal, dann stand sie zwischen feuchten Kellerwänden und
Blecheimern. Riley hing in den schweren Ketten, die von der Decke kamen. Der
Kopf war ihr auf die Brust gesunken und ihr rotes Haar, hing in dreckigen
Strähnen hinab. In der Zelle am Ende des Kellers saß ein kleiner Junge, Edmund
vermutete sie und schaute auf, als sie in den Raum gestolpert kam. Seine Augen
waren vom Weinem gerötet doch er schienen unverletzt. Emma wandte sich wieder
ihrer Freundin zu. Sie sah sich nach etwas um womit sie die Eisen an Rileys
Handgelenken lösen konnte und ihr Blick fiel auf die Zangen am nahegelegenen
Holztisch. Ohne zu überlegen griff sie danach und machte sich an den Eisen zu
schaffen. Der Junge in der Zelle, stand plötzlich an den Streben seines
Gefängnisses und beobachtete sie skeptisch.
"Ich bin mit
deiner Mutter hier, wir holen euch hier raus, versprochen."
Ihre Erklärung
schien den Jungen jedoch nicht zu beruhigen. Stattdessen weitesten sich seine
Augen. Er nickte, doch etwas in seinem Blick beunruhigte Emma. Sie machte sich
daran schneller zu arbeiten und schließlich gelang es ihr eins der Eisen zu
lösen, das Riley an die Decke fesselte.
"Haben sie
euch weh getan?", fragte sie in Richtung des Jungen, doch der schüttelte
nur den Kopf. Als sie sich an der zweite Fessel zu schaffen machte.
Er trat von den
Gitterstäben zurück und schüttelte abermals vehement den Kopf. Es war keine
Antwort auf ihre Frage gewesen, würde ihr bewusst.
"Nicht.",
flüsterte er und verkroch sich in einer Ecke seiner Zelle. Er starrte mit
aufgerissenen Augen zu ihr hinüber.
"Du darfst
sie nicht losmachen.", sagte er jetzt etwas lauter und Emma vernahm
eindeutig Angst in seiner Stimme.
"Du brauchst
keine Angst zu haben, jetzt wird alles wieder gut.", versuchte sie ihn zu
beruhigen, doch er schüttelte immer noch den Kopf. Jetzt rollten ihm Tränen
über die Wangen.
"Du darfst
sie nicht losmachen.", wiederholte er nur und langsam drängte ein
eindeutig mulmiges Gefühl in Emma auf.
"Sie haben
sie verrückt gemacht."
Emma erstarrte und
während langsam die Erkenntnis durchsickerte begannen die Ketten neben ihr zu
rasseln.
Riley hob den Kopf
und starrte Emma aus glasigen Augen an.
"Bitte nicht.",
hauchte Emma, doch im selben Augenblick, trat ein verzerrtes Grinsen auf Rileys
Züge.
"Bitte nicht
noch einmal."
...
Schreie hallten
durch Reilys Kopf. Sie wirbelten umher und machten vor nichts Halt. Sie zerrte
erneut an den Ketten und jetzt begriff sie dass es ihre eigenen Schreie waren.
...
Emma trat von
ihrer Freundin zurück und die Zange rutschte ihr aus der Hand. Sie landete
klappern auf dem Boden während sie dabei zusah wie Riley den Kopf hin und her
warf. Sie hing in der verbliebenen Fessel und ein Kichern löste sich aus ihrer
Kehle.
...
Bilder von sich
öffnenden Leibern...
Heraus kletternde
Säuglinge mit drei Köpfen... Jeder davon war in der Mitte gespalten... Grüner
Schaum stieg daraus empor... Und die
kleinen gingen mit Äxten aufeinander los.
Riley hörte ihre
eigenen Schreie kaum noch.
...
Das Kichern wurde
lauter und Riley riss an der verbliebenen Kette, schaffte es irgendwie die
Fesseln zu sprengen. Emma wich noch einen Schritt zurück und wäre fast über
einen der Eimer gestolpert. Ihr Magen zog sich zusammen und ihre Muskeln
verkrampfen sich. Nicht schon wieder. Sie hielt das nicht noch mal aus.
...
Emmas Gesicht war
blutverschmiert... Sie wandte sich von dem Insani unter ihr ab und wurde zu
Riesin... Zertrampelt die Säuglinge während sie in schallendes Gelächter
ausbrach... Schaum umspielte ihre Lippen.
Wer war sie noch
gleich?
...
Riley ging
kichernd auf Emma zu, plötzlich hatte sie Emmas Messer in der Hand und Emma
starrte sie immer noch an. Sie wollte nicht, sie konnte nicht.
...
Emma wurde noch
größer und jetzt hatte sie einen Cowboyhut auf... Sie schwang eine Route und
trieb die Säuglinge in eine brennende Scheune... Dabei sang sie:
"Schäfchen klein, springt so fein in das heiße Grab hinein."
...
Reily griff an.
Emma spürte, wie
die Klinge über ihren Bauch fuhr und Wärme breitete sich in ihrer Magengegend
aus. Ihre Muskeln brannten und ihr Gehirn produzierte nicht einen Gedanken. Da
war nur dieses Schmerz in ihrer Brust. Ein Ziehen und Reißen, als würde ihr
Herz gleich zerspringen. Riley griffe ihr ins Haar und ihr Gesicht kam ganz nah
vor Emmas. "Die Liebe, die Liebe.", gluckste Riley.
...
Der Cowboy hatte
jetzt keine Ähnlichkeit mehr mit Emma... Die Scheune verschlang einen Säugling
nach dem anderen... Sie sangen jetzt zusammen mit dem Cowboy und die
Scheunentore wurden zu Reißzähnen... Blut spritzte über den Boden, lief zu
Bächen zusammen... Bildete Seen.
"Zehn kleine
Kinderlein sprangen in den Teich."
-Haps.-
"Neun kleine
Kinderlein badeten in Blut."
-Haps.-
Acht kleine
Kinderlein..."
Sang die Scheune.
...
"Sieben
kleine Kinderlein, spielten mit dem Beil."
Langsam begann
Riley zu singen und hieb immer wieder mit dem Messer nach Emma. Dabei riss sie
ihr an den Haaren und hatte plötzlich blutige Büschel dreckiger Strähnen
zwischen den Fingern. "Hör bitte auf Riley." , flehte Emma im
Flüsterton. Ihr Körper wollte immer noch nicht gehorchen und langsam
verwandelte sich die Hitze in ihrem Bauch in Kälte. Dann gehorchten ihre
Muskeln ihr plötzlich wieder und sie packte Rileys Handgelenk. Emma schleuderte
ihre Freundin zu Boden und hielt ihre Arme fest, die immer noch wild zuckten.
Irgendwie schaffte Riley es sich aus ihrem Griff zu befreien und war jetzt über
ihr.
...
Riley lachte...
Der Cowboy lachte... Die Scheune lachte... Dann war Riley die Scheune und biss
genüsslich in einem Säugling... Er hatte ihr Gesicht und lachte mit... Sie nahm
den nächsten Säugling und warf ihn zwischen ihre malmenden Zähne... Im Flug
hatte er Emmas Gesicht...
Wer war Emma?
Dann biss sie zu
und es schmeckte fantastisch... Der Cowboy riss drei Köpfe von einem
Säugling... Sie hatten die Gesichter von Jungen in ihrem Alter... Doch sie
wusste nicht mehr wie sie hießen.
"Es regnet,
es regnet, Jim, Jam und Jum.",
sangen sie
lachend.
Der Cowboy begann
mit den Köpfen zu jonglieren... Sie landet nacheinander in ihrem Schlund. Jim,
Jam, Jum, die Zeit die ist jetzt um.", sangen die Köpfe.
...
Riley begann mit
ihrer Stirn zu dribbeln, wie mit einem Basketball und kicherte jetzt wieder wie
verrückt. Nein, sie konnte nicht ... Nicht Sie.
Es musste einfach
etwas geben dass Emma tun konnte. Aber tief in ihr wusste sie, dass es bereits
zu spät war. Tränen liefen ihr übers Gesicht. Sie schaffte es das Messer an der
Klinge zu greifen und Blut rann ihr über die Finger. Sie klammerte sich daran
wie eine Ertrinkende ans Treibgut. Sie schaffte Riley das Messer zu entwinden
und versuchte sich von ihrem Gewicht zu befreien. Sie kugelten umeinander und
Emma, durch den Tränenschleier vor ihren Augen, verlor den Überblick. Dann
stießen sie gegen das Gitter. Das Messer kam Emmas Hals bedrohlich nah und ihr
Bauch fing an Wellen von Schmerz durch ihren Körper zu schicken. Doch sie
konnte sich nicht wehren, wollte es nicht. Eher würde sie sterben, als Riley
etwas anzutun. Die Spitze des Dolches bohrte sich in ihren Hals und Rileys
Ausdruck wurde wilder. Das Kichern wich einem verbissenen Knurren und das kalte
Eisen drang immer tiefer in Emmas Haut.
Emma versuchte das
Messer zur Seite abzulenken und plötzlich knickt Riley zur Seite weg, als hätte
sie etwas aus dem Konzept gebracht. Was auch immer es war, sorgte dafür dass
ihre Hände zu zittern begann. Dann blickte sie voller Abscheu auf ihrem Bauch
hinab und Emma verstand.
Ihre Freundin zog
das Messer mit einem Ruck aus Emmas Griff. Sie schrie auf, als ihre Finger nach
hinten klappten und Blut aus den
Stümpfen spritzte.
Sie hingen nur
noch an Hautfetzen an ihren Knöcheln hinab.
Riley ließ sich
davon nicht ablenken, sondern hob das Messer. Emma sah die Wut in ihren Augen.
Ihr ganzer Körper zitterte wie Espe Laub. Dann ließ sie die Klinge auf ihren
Bauch hinab sausen.
...
Als Riley die
Augen aufschlug grinste sie. Sie fühlte sich gut. Nichts hatte sich je so gut
angefühlt. Sie hörte die Stimmen immer noch, aber sie ergaben jetzt Sinn und
erfüllten sie mit solcher Erhabenheit dass sie augenblicklich zu lachen begann.
Es spielten keine Rolle mehr wer sie vorher war. Wo sie war oder wie sie war.
Sie wusste, sie war angekommen. Alles andere lag sicher hinter hohen Mauern,
unter Massen an Erde begraben.
...
"Nein.",
schrie Emma und schleuderte ihre Freundin von sich herunter. Die Rollen
tauschten und jetzt saß Emma über Riley. Das Messer war genau zwischen ihn und
beide Mädchen versuchten die Kontrolle darüber zu erlangen. Dann trat ein
seltsamer Ausdruck auf das Gesicht der Insani, die einmal Emmas Freundin
gewesen war.
Ihr Widerstand
brach ohne Vorwarnung in sich zusammen. Emma keuchte erschreckt auf als das
Messer in Rileys Brust eindrang.
Sie keuchte und
spuckte Blut.
Ein letztes irres
Grinsen flackerte über ihre Züge, dann wich es einer Gelassenheit, die Emma
einen Schauer über den Rücken jagte.
...
Als ihr neues Ich
in die Sonne trat, lächelte es und ließ sich einlullen vom Jubeln der Massen.
Es war so gut, keiner würde ihr je wieder wehtun können.
"Begrüßt mit
mir zusammen das neuste Mitglied unser Horde.", sagte der Cowboy neben ihr
und ihr neues Ich genoss es wie sie unter die Insani geführt wurde. Alle Angst war
gewichen und hatte pure Freude offenbart. Da wo einst Zweifel waren, glich ihr
Herz nun dem einer Unbescholtenen. Es triumphierte, jauchzte und tanzte mit den
Insani durch die Sonne. Sie lächelte und behielt doch die Contenance, nicht mit
zu tanzen. Sie tanzten für Sie und ihr neues Ich genoss es in vollen Zügen. Der
Cowboy redete immer noch, doch es war nicht mehr wichtig. Er war auch nur ein
Unwissender unter der Sonne. Er würde niemals verstehen wie sich wahrer Frieden
anfühlte. Doch so lange er für sie sorgte, war es ihr egal. Er hatte ihr so
wunderbares eröffnet. Sie durfte mit diesem kleinen unschuldigen Kindlein
spielen. Sie durfte mit ihm machen was sie wollte und sobald sie das
herausgeholt hatte, dass da in ihr randalierte, würde sie auch damit spielen
dürfen. Was für eine wunderbare Vorstellung, was für eine wunderbare Welt.
Wasserfälle
Tränen liefen Emma
über die Wangen und die Welt schwieg.
Sie spürte wie
etwas sanft über ihre Wange strich und blinzelte durch den Tränenschleier vor
ihren Augen. Riley hatte die Hand erhoben und wischte ihr die Tränen vom
Gesicht. "Nicht weinen. Es ist doch eine so wunderbare Welt"
Emma schluchzte
und nahm Reilys Hand in ihre.
"Bleib bei
mir. Ich schaffe es nicht ohne dich.", flüsterte sie und ihre Freundin
lächelte traurig.
"Habe
Vertrauen. Das Leben geht weiter."
Vertrauen? Wann
hatte sie je jemandem so vertraut wie Riley? Wann würde sie je wieder jemandem
so vertrauen?
"Erinnerst du
dich an die Wasserfälle?"
Emma wusste nicht
ob ihre Freundin verstand, was sie sagte, doch sie sprach weiter und der
Ausdruck in Rileys Gesicht veränderte sich für den Bruchteil einer Sekunde. Es
war als würden die Wände aufbrechen hinter denen jene Erinnerung lagen.
"Ich bringe
dich wieder hin. Ich werde dich hinbringen und dann erinnerst wirst du dich an
alles erinnern.
Dann wird alles
wieder wie früher."
Emma wusste, das
es niemals wieder so werden würde wie zuvor, aber die Worte gaben ihr Trost.
Brausendes zu
Boden stürzendes Wasser, das frohe Gelächter von Kindern, das Zwitschern von
unzähligen bunten Vögeln und das Rauschen der Blätter im Wind, das alles war so
weit weg und doch war es ihr, als wäre sie wieder dort. Es beruhigte sie und
ihre Tränen versiegten allmählich. Rileys Blick glitt in die Ferne und sie
summte leise. Emma erkannte die Melodie und sang mit:
"Eckstein,
Eckstein, alles muss versteckt sein."
Dann begann sie
gemeinsam zu zählen. Bei fünf versagte die Stimme ihrer Freundin und als Emma
bei zehn angekommen war, löste sich ein letzter Seufzer von Rileys Lippen.
Emma saß da und
wiegte den toten Körper ihrer Freundin hin und her. Ihre Augen wurden wieder
feucht, während langsam die Realität zu ihr durchsickerte.
Sie nahm Rileys
Gesicht zwischen ihre Hände und küsste sie. Ihre Lippen waren noch warm und
Stirn an Stirn begann Emma wieder zu Weinen. Nichts würde je wieder so werden
wie zuvor.
-Ende-